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Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes
Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes
© Universal Pictures International

Kritik: Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Idee, den Papst in einem Dokumentarfilm zu porträtieren, stammt ursprünglich gar nicht von Wim Wenders. Vielmehr trat der Vatikan Ende 2013 an den deutschen Regisseur heran, um ihm ein solches Projekt anzubieten. Wenders überlegte sich ein Konzept und erhielt Zugang zum Archiv des Vatikans. Er begann Anfang 2016 mit den Dreharbeiten, in deren Zentrum mehrere lange Interviews mit Papst Franziskus stehen. Mit vielen eingestreuten Ausschnitten aus journalistischen Videos hält der Film auch Rückschau auf die bisherigen Reisen des Papstes, zeigt ihn im Hubschrauber über Rio de Janeiro, bei der Fußwaschung in einer Haftanstalt in Philadelphia, der Rede vor dem amerikanischen Kongress.

Bei den Interviews, die Wenders mit dem Papst im Vatikan führte, erläutert der Papst seine Positionen in freier Rede. Um den Eindruck zu erwecken, dass sich Franziskus direkt und ohne Mittelsmann an die Zuschauer wendet, benutzte Wenders eine Art Teleprompter. Wenn der Papst die Fragen beantwortete, sah er direkt in die Kamera. In eingestreuten Reenactment-Szenen erinnert Wenders außerdem an den namensgebenden Franz von Assisi und sein Leben. In Schwarzweiß und mit einer Handkurbelkamera aus den 1920er Jahren gedreht, wirkt dieser Exkurs in die Historie wie aus einem alten Spielfilm oder gar einer antiquierten Doku entnommen.

Die Zuschauer lernen Papst Franziskus als einen Mann kennen, der eine echte Botschaft hat und sie aufrichtig vertritt. Er ist sich keineswegs zu schade für Gesten der Demut gegenüber Menschen, die als Mittellose, Flüchtlinge, Kranke, Strafgefangene wenig Ansehen in der Gesellschaft genießen. In der Begegnung mit Menschen wirkt der Papst offen, locker, oft auch fröhlich. Familien rät er nicht nur einfach, den Sonntag zu ehren, sondern auch, ihn dabei sinnvoll zu nutzen: So sollten Eltern ruhig mehr mit ihren Kindern spielen.

Man erlebt, welches Ansehen der ranghöchste Vertreter der katholischen Kirche überall auf der Welt genießt und wie empfänglich die Menschen für seinen Rat sind. Umso wichtiger erscheint es, dass Papst Franziskus die ethischen Maßstäbe wieder zurechtrücken will, die der globale Kapitalismus, das Gewinnstreben, die soziale Ungleichheit verschoben haben. Insofern wirkt er sehr modern und unangepasst – aber das war die christliche Botschaft der Nächstenliebe wohl schon immer. Wenders ist ein stimmiges Porträt von Papst Franziskus gelungen, das über Substanz verfügt und bewegt.

Fazit: Wim Wenders ist ein bewegendes Porträt des aus Argentinien stammenden Papstes gelungen, der mit seinem Namen und Wirken an die Lehren des als Anwalt der Armen bekannten Ordensgründers Franz von Assisi anknüpft. Der Dokumentarfilm zeigt den Papst bei der Begegnung mit Menschen in aller Welt und lässt ihn seine Positionen in Interviews näher erläutern. Es wird ersichtlich, dass dieser Papst sein großes Ansehen nicht nur seinem Amt, sondern vor allem auch der Aufrichtigkeit verdankt, mit der er seine Botschaft des Teilens und der Anteilnahme vertritt.






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