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Club der roten Bänder - Wie alles begann
Club der roten Bänder - Wie alles begann
© Universum Film

Kritik: Club der roten Bänder - Wie alles begann (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Auf diese Serie hätte mancher keine müde Mark gesetzt. Auf dem Papier macht sie einfach zu viel falsch: Der Erzähler liegt im Koma und seine Geschichte handelt von teils todkranken Kindern, die das Staffelfinale nicht alle überleben. Der deutsche Privatsender VOX setzte dennoch auf den Stoff und machte damit alles richtig. Die außergewöhnliche Mischung aus realistischen und fantastischen Elementen, aus Galgenhumor und Herz, die zwischen November 2015 und Dezember 2017 drei Staffeln füllte, war ein Publikumsmagnet, Kritikerdarling und Preisgarant. Angesichts des Erfolgs ist ein Kinofilm der nächst logische Schritt.

Gemeinsam hatten die sechs Freunde Leo (Tim Oliver Schultz), Jonas (Damian Hardung), Emma (Luise Befort), Alex (Timur Bartels), Toni (Ivo Kortlang) und Hugo (Nick Julius Schuck) den Alltag im Krankenhaus und das Leben danach bewältig, sich verliebt und gelitten, sich gezofft und wieder zusammengerauft und mehr als einen Freund zu Grabe getragen. Für den Kinofilm blieb Regisseur Felix Binder und seinen Drehbuchautoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf folglich nur noch die Vorgeschichte übrig. Gerade damit machen sie ziemlich viel falsch.

Zwar erzählen Binder, Nolting und Scharf auch im Kino konsequent aus der jugendlichen Perspektive und nehmen die Sorgen und Ängste ihrer Protagonisten ernst. Doch wo die Serie von der Gemeinschaft lebte, sind im Film überall Einzelkämpfer unterwegs. Der Beziehung zwischen Leo und seinem ersten Bettnachbarn Benni (Jürgen Vogel) gelingt es noch am ehesten, das Seriengefühl in den Kinosaal zu übertragen. Doch selbst hier bleibt zu vieles behauptet. Die übrigen Figuren laufen zulange aneinander vorbei, um beim Publikum wirkliche Anteilnahme für ihre privaten Sorgen zu wecken. Fans mag das aufgrund der langen Zeit, die sie mit Leo, Jonas & Co. vor dem Fernsehschirm verbracht haben, noch gelingen. Neulinge stehen den dünnen Charakteren mit zu wenig Fleisch auf den Rippen hingegen seltsam gleichgültig gegenüber.

Mit dem Kinofilm haben Regisseur Felix Binder und seine Crew, die auch schon weite Teile der Serie verantworteten, noch einmal ganz andere Möglichkeiten. Die Sets sind größer, Thomas Schinz' Bilder schöner, die Geschichten indes keineswegs zwingender. Stattdessen herrscht allerorten ein Ungleichgewicht: beim Schauspiel zwischen gestandenen Darstellern und den Nachwuchskräften, bei der Erzählung zwischen den vielen Handlungssträngen. Zudem wirken einige der ausgedachten Familienhintergründe nur wenig überzeugend.

Die dritte Staffel war ein würdiger Abschluss des Stoffs, der einst in den Erlebnissen des Spaniers Albert Espinosa, seinem Ratgeber "Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt" und der daraus entstandenen Fernsehserie "Polseres vermelles" (2011-2013) seinen Anfang nahm. Der Kinofilm wirkt wie ein unnötiger Reanimationsversuch. Den Fans wird’s egal sein. Neulingen sei vom Kartenkauf abgeraten.

Fazit: Nach drei erfolgreichen Serienstaffeln hätte es den Kinofilm nicht gebraucht. "Club der roten Bänder – Wie alles begann" ist an vielen Stellen zu unausgewogen und deutlich zu lang. Regisseur Felix Binder gelingt es nur in Ansätzen, das Erfolgsrezept aus Galgenhumor und Herz aufs Kino zu übertragen. Den Fans dürfte das Wiedersehen mit ihren Serienlieblingen dennoch zusagen.




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