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Kritik: Hereditary - Das Vermächtnis (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nach seiner Premiere auf dem Sundance Film Festival 2018 wurde dieses Spielfilmdebüt des Regisseurs und Drehbuchautors Ari Aster als einer der gruseligsten Horrorfilme seit Jahren gepriesen. Für Freunde gepflegten Geisterspuks, in dem teuflische Kräfte Besitz von unbescholtenen Seelen ergreifen, ist dieser Film daher sicherlich interessant. Aber wo die einen vom Fieber des Grauens gepackt werden, erkennen andere kopfschüttelnd nicht viel mehr als blanken Unsinn. Eine solche ungerührte Meinung wird in diesem Text vertreten.

Was stimmt mit dieser Familie nicht? Von Anfang an drängen sich Fragen auf, die in ihrer zunehmenden Anzahl ein Gefühl der Orientierungslosigkeit erzeugen. Spätestens, als Annie sagt, dass in ihrer Familie Geisteskrankheit vorkam und auch, dass sie einmal schlafwandelnd in böser Absicht vor dem Bett ihrer Kinder stand, ist dieses rein architektonisch idyllisch anmutende Heim am Waldrand doch eher ein schlechter Scherz. Alle - zumindest alle Überlebenden – in dieser Familie klammern sich wie irre an diese Bleibe, an den Alltag, als wäre der noch möglich. Dabei gibt es durchaus einiges, was diesen Glauben an Normalität selbst infrage stellt: einen abgeschlagenen Kopf, Insektenbefall, Geräusche und Lichteffekte, die von Geistern verursacht werden, Feuer. Wer ist hier normal – Annie vielleicht nicht, aber der scheinbar stets vernünftige Steve, der alles geschehen lässt, doch auch nicht?

Irgendwie hat das ganze Theater, das wie von selbst ins Rollen kommt, mit der im Titel "Hereditary" benannten Erblichkeit zu tun. Annie baut als Künstlerin Miniaturen, also Puppenhäuser, in denen sie die Zimmer und das Geschehen im Haus nachbildet. Auch die erste Szene des Films beginnt in einem solchen Puppenhaus, in dem Sohn Peter im Bett liegt. Dann kommt sein Vater herein, um ihn zu wecken, und das Geschehen springt auf die reale Ebene. Annie betreibt auf ihre Art offenbar Familienaufstellungen, mit denen sie dem unheimlichen Erbe, das alle Mitglieder infiltriert, auf die Spur kommen will.

Der Film scheint sich sogar lustig zu machen über die Naivität, mit der alle die Geister, die sie eigentlich fernhalten wollen, hereinlassen. Irgendwann drängen sich Vergleiche mit "Rosemary‘s Baby" auf, aber hier fehlt leider die beklemmende Atmosphäre. Gerade weil es niemanden gibt, der nicht merkwürdig wäre, bleiben die inneren Dramen der Charaktere weitgehend konturlos.

Fazit: In diesem Horrorthriller, mit dem der amerikanische Regisseur Ari Aster sein Spielfilmdebüt gibt, klammern sich die Mitglieder der Familie Graham an ihr gewohntes Alltagsleben. Aber das will ihnen nach einem grausigen Todesfall nicht mehr so recht gelingen und ihr Haus am Waldrand läuft Gefahr, von bösen Geistern gekapert zu werden. Das irrationale Verhalten der Charaktere lässt es kaum zu, sich in ihre Nöte hineinzuversetzen. Rätselhaft bleibt auch, ob sich der Film selbst über den wilden Spuk, der sich vor der Kamera manifestiert, lustig macht oder ob er ihm Sinn verleihen möchte.




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