VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Ein Dorf zieht blank (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Krise der Landwirtschaft treibt immer mehr Bauern in Europa in den Ruin. Allein in Frankreich nehmen sich jedes Jahre Hunderte verschuldeter Landwirte, die nicht mehr ein noch aus wissen, das Leben. Die Bewohner des Dorfs in der Normandie, in dem dieser Spielfilm angesiedelt ist, fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Aber auch untereinander ist die Solidarität nicht so groß, wie sie sich der engagierte Bürgermeister wünscht. Ein künstlerisches Foto-Happening mit nacktem Menschen im Grünen könnte dem Dorf die gewünschte mediale Aufmerksamkeit bringen. Doch Nacktheit ist für die Bewohner nicht progressiv, sondern schlicht beschämend. Aus den Konflikten, die sich im Dorf entzünden, während der amerikanische Künstler wartet, strickt Regisseur Philippe Le Guay eine muntere Ensemblekomödie, die den Ernst der wirtschaftlichen Lage nicht verleugnet.

Die Geschichte mäandert im Dorf von einem Schauplatz zum nächsten, sodass ein sehr vielfältiges und lebendiges Panorama dieser Gemeinschaft entsteht. Da gibt es die aus Paris zugewanderte Familie, deren unzufriedene Tochter auch den Voice-Over-Kommentar beisteuert. Da gibt es den Bauern Eugène (Philippe Rebbot), der es nicht verwinden kann, dass die Wiese, die einst im Familienbesitz war, nun einem anderen gehört. Oder den jungen Vincent (Arthur Dupont), der das Fotostudio seines Vaters verkaufen und wegziehen will, aber nicht mit der Liebe gerechnet hat. Der exzentrische Fotokünstler aus Amerika fällt im Dorf auf wie ein bunter Hund. Nicht alle der vielen Details und Nebenhandlungen, die aufgeblättert werden, sind für die Geschichte wichtig. Dennoch sorgt die bunte Fülle für eine vergnügliche und authentische Atmosphäre. Zu dieser trägt natürlich auch bei, dass die echten Dorfbewohner im Film ebenfalls mitspielen.

Anders als es der Filmtitel befürchten lässt, ist die Komödie überhaupt nicht frivol, sondern blickt einfach mit viel Sympathie und Charme auf das heutige Landleben. François Cluzet ("Ziemlich beste Freunde") bestimmt den gutgelaunten Tonfall des Films maßgeblich mit seiner hervorragenden Darstellung des Bürgermeisters, von dessen Engagement und diplomatischem Geschick so viel abhängt. Aber auch die Nebenrollen überzeugen, weil sie liebevoll und dabei sehr glaubhaft gezeichnet sind. Die Wohlfühlkomödie rückt die Herzlichkeit der Landbewohner ins Zentrum und weckt Verständnis für ihre Probleme.

Fazit: Mit François Cluzet als engagiertem Bürgermeister eines Dorfs in der Normandie bietet diese Komödie charmante und kurzweilige Unterhaltung. Vor dem ernsten Hintergrund der anhaltenden landwirtschaftlichen Krise entfaltet sie ein munteres Panorama dörflichen Lebens, in das ein amerikanischer Künstler mit der Idee eines kollektiven Nacktfotos hereinschneit. Es könnte sich für eine medienwirksame Protestbotschaft eignen, ginge es den Bauern nicht entschieden gegen den Strich. Die liebevoll gezeichneten und glaubwürdigen Charaktere verleihen der spaßigen Geschichte Herz.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.