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Nach dem Urteil (2017)

Jusqu'à la Garde

Französisches Drama: Ein Vater klagt sein Umgangsrecht für seinen Sohn ein – sehr zur Sorge der Mutter.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
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Miriam (Léa Drucker) und Antoine Besson (Denis Ménochet) haben sich scheiden lassen. Da Miriam jeden Kontakt zwischen Antoine und den beiden gemeinsamen Kindern Joséphine (Mathilde Auneveux) und Julien (Thomas Gioria) verhindern will und diese selbst zu Protokoll gegeben haben, den Vater nicht mehr sehen zu wollen, geht Antoine nun gerichtlich gegen Miriam vor. Bei einer Anhörung entscheidet die Familienrichterin (Saadia Bentaïeb), dass Julien fortan jedes zweite Wochenende bei seinem Vater verbringen soll. Die bald volljährige Tochter darf selbst bestimmen, ob und wann sie Antoine besuchen möchte.

Miriam, die gegenüber der Richterin von Misshandlung gegenüber den Kindern durch ihren Ex-Mann berichtet hat, ist entsetzt. Sie will nicht, dass Antoine erfährt, wo sie inzwischen mit Joséphine und Julien wohnt – weshalb Julien seinen Vater belügen soll. Die Wochenenden werden für den Jungen rasch zu einer großen Belastung.

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Mit seinem Langfilmdebüt "Nach dem Urteil" hat der französische Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Xavier Legrand seinen Kurzfilm "Avant que de tout perdre" aus dem Jahre 2013 ausgebaut – und wurde für seine Inszenierung im vergangenen Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet. Legrand lässt seine Geschichte als ambivalent anmutendes Scheidungsdrama beginnen, ehe sich das Geschehen allmählich in einen Thriller wandelt.

Bereits die Eröffnungssequenz ist virtuos geschrieben und umgesetzt: In nüchtern-realistischen Mono- und Dialogen wird darin vor der Familienrichterin das Scheitern der Ehe von Miriam und Antoine Besson sowie der Kampf um die Kinder dargelegt. Es gibt Widersprüche, die weder die Richterin noch wir als Publikum wirklich auflösen können – was auch am differenzierten Schauspiel von Léa Drucker ("Das blaue Zimmer") und Denis Ménochet ("Barfuß auf Nacktschnecken") liegt, die ihre Rollen des Ex-Ehepaares bereits in Legrands Kurzfilm verkörperten. Der Stoff eines Familien-Melodrams wird somit schon in der Exposition abgehandelt – ehe sich das Werk im weiteren Verlauf dem "Danach" widmet.

Hierbei wird vor allem deutlich, dass ein Großteil der Last dem jüngsten und hilflosesten Familienmitglied zukommt: Julien soll nach gerichtlichem Beschluss jedes zweite Wochenende beim Vater verbringen. Die Autofahrten – wenn Antoine seinen Sohn abholt oder zurückbringt – werden von Legrand und der Kamerafrau Nathalie Durand als (an)spannungsreiche Passagen mit etlichen kleinen Details gestaltet. Julien wird einerseits von seiner Mutter dazu gebracht, den Vater anzulügen (damit dieser nicht erfährt, wo sie inzwischen wohnen) – und wird andererseits von dem unberechenbaren, oft groben Antoine ausgefragt und gar bedroht. Der Psycho-Druck, den das Kind in solchen Situationen ertragen muss, wird schmerzhaft spürbar; das Nachwuchstalent Thomas Gioria liefert als zunehmend verzweifelter Julien eine eindrückliche Leistung.

Bevor "Nach dem Urteil" im Finale auf eine Eskalation des Konflikts zusteuert, gelingt es dem Film, ein permanentes Gefühl des Unbehagens zu erzeugen. In seiner präzisen Beobachtung, die beinahe etwas Dokumentarisches hat, erinnert Legrands Arbeit an die Werke der belgischen Dardenne-Brüder ("Der Junge mit dem Fahrrad", "Das unbekannte Mädchen") – und ist dabei ebenso stark und vielschichtig wie diese.

Fazit: Ein hervorragend gespieltes Drama, das sich subtil mit den Folgen einer Scheidung (insbesondere für die Kinder) sowie mit häuslicher Gewalt befasst.




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Land: Frankreich
Jahr: 2017
Genre: Drama
Länge: 93 Minuten
Kinostart: 23.08.2018
Regie: Xavier Legrand
Darsteller: Lea Drucker als Miriam Besson, Denis Menochet als Antoine Besson, Thomas Gioria als Julien Besson
Verleih: Weltkino Filmverleih

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