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FBW-Bewertung: Golden Twenties (2019)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Was macht eine junge Frau Mitte Zwanzig, die gerade die Studienzeit beendet hat und noch keine Perspektive für ihr berufliches wie auch privates Leben sieht? Zurück in den Schoß ihrer Familie? Den Haus-und Zimmerschlüssel hat sie ja noch! Also kommt Ava mit Sack und Pack in der Wohnung ihrer Mutter Mavie an. Avas Jugendzimmer ist zur Rumpelkammer reduziert. Die ?very busy?-Mama, schon lange von Avas Vater verlassen, taucht erst nach einigen Tagen zusammen mit ihrem wesentlich jüngeren Lover auf und macht Ava klar, dass sie kein Interesse und keine Zeit hat, ihr auf irgendeine Weise zu helfen. Avas soziales Umfeld aus ihrer Schulzeit hat sich aufgelöst und ihre ehemals beste Freundin hat ihre eigenen Probleme. Der ihr von einem Freund der Eltern versprochene Arbeitsplatz löst sich als Luftnummer auf und mit Glück landet sie als Hospitantin am Theater. Passend zu Avas desolater Situation sind auch die Proben zum neuen Theaterstück und das Verhältnis zwischen dem Regisseur und seinem Team inklusive der Schauspieler mehr als chaotisch. Folgerichtig platzt das Stück und Ava sitzt wieder ohne Job und Perspektive da. Immerhin: Während der kurzen Zeit als Hospitantin verliebt sie sich in den Schauspieler Jonas, der aber einem neuen Engagement nach Prag folgt und keinerlei Ambitionen für eine längere Beziehung zeigt. Die weiteren Jahre der ?Golden Twenties? von Ava können nur noch besser werden, aber über ein gehöriges Stück Erfahrung verfügt sie nun schon mal.
Mit Henriette Confurius steht und fällt der Film im besten Sinne. Ihr ausdrucksvolles Spiel vermittelt glaubhaft die Leere und die Einsamkeit einer jungen Frau, die nach dem Abschluss der Ausbildung die Orientierung im Leben sucht. Das gilt für Beruf wie auch für ihr Privatleben, das ihr die Erfahrung der ersten großen Liebe im Positiven wie auch Negativen bringt. Ein hervorragendes Drehbuch konzentriert sich, statt rein auf Spannung und Dramatik zu setzen, auf die Verinnerlichung der parallel laufenden Lebensgeschichten. Dies mit der präzisen Charakterzeichnung der Protagonisten und glaubhaften Dialogen. Avas Blick in dasTheaterleben und in das chaotische Privatleben ihrer Mutter, ihre konsequente Beendigung ihrer Liebesbeziehung und der Blick auch in das Leben ihrer besten Freundin, die sich, statt sich weiter zu entwickeln, stehen bleibt. Ava weiß am Ende des Films, wie ihr Weg in die Zukunft nur führen kann. Ein Gespräch mit ihrem Vater auf einem Waldspaziergang öffnet ihr die Augen, als er ihr den Rat gab, nur auf sich selbst zu schauen und sich mutig nur selbst zu vertrauen. Neben der hervorragend spielenden und von Regisseurin Sophie Kluge sicher geführten Henriette Confurius spielen Inga Busch alsihre Mutter, Anton von Lucke als deren Lebensgefährte, Max Krause als Avas Liebe und Hanna Hilsdorf als Avas beste Freundin ihre Rollen überzeugend. Das gilt auch für die Randfiguren bis in die kleinsten Rollen hinein. Das gute Szenenbild, die sehr schöne Kameraführung und die perfekte Montagegehören neben dem brillanten Drehbuch und der sicheren Inszenierung zu den weiteren herausragenden Leistungen eines außergewöhnlich gelungenen Films.



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