Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die defekte Katze
Die defekte Katze
© Alpenrepublik GmbH Filmverleih © Filmperlen

Kritik: Die defekte Katze (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wie die beiden Hauptdarsteller des Films hat auch Regisseurin Susan Gordanshekan iranische Wurzeln. Ihr Debüt als Filmemacherin gab sie 2003 mit der Doku "Kann man Musik sehen?". Nach einigen Kurzfilmen in den letzten Jahren realisierte sie mit "Die defekte Katze" ihren ersten Spielfilm. Premiere feierte das Werk bei der diesjährigen Berlinale. Hauptdarstellerin Pegah Ferydoni wurde 2006 deutschlandweit durch die TV-Serie "Türkisch für Anfänger" bekannt. Seitdem war sie in zahlreichen TV- und Kinofilmen sowie Fernsehserien zu sehen, darunter "Doctor’s Diary", "Tatort" sowie "Mordkommission Istanbul".

Eine arrangierte Ehe zwischen zwei einsamen, iranisch-stämmigen Mittdreißigern im Deutschland der Gegenwart. Kann das funktionieren? Dieser Frage geht Gordanshekan in ihrem behutsam umgesetzten, emotionalen und oft auch sehr humorvollen Film nach. Ein Film, der zweisprachig ist und ganz von seinen glaubhaft agierenden Darstellern getragen wird. Denn Ferydoni und Khanjanpour stammen tatsächlich aus dem Iran und sind immer noch tief mit und in der Kultur ihrer Heimat verwurzelt. Im Film sprechen sie miteinander immer wieder Farsi, also Persisch. Dies verhilft dem Werk zu einem hohen Grad an Realismus und Authentizität.

Interessant sind die Gegensätze, die bei Mia und Kian nach dem Beziehen der gemeinsamen Wohnung auf engstem Raum aufeinander treffen und miteinander kollidieren. Kian ist der vorbildlich integrierte, gut verdienende Arzt mit Migrationshintergrund, der jedoch die patriarchalischen Strukturen und Tendenzen der männerdominierten persischen Gesellschaft selbst stark verinnerlicht hat. Deutlich wird dies etwa, wenn er Mina verbietet, alleine tanzen zu gehen, und bereits bei den unbedeutendsten Anlässen mit rasender Eifersucht reagiert. Oder zu Mina sagt, dass sie jetzt nicht mehr arbeiten müsse, da er ja schließlich das Geld nach Hause bringe. Dem gegenüber steht der Freiheitsdrang der sensiblen Mina, die nichts lieber tut als tanzen (auch in der Öffentlichkeit) und schwimmen zu gehen.

Trotz der Unterschiedlichkeit von Mia und Kian kommen sich die Beiden allmählich näher und entwickeln Sympathien füreinander. Doch im Alltag lauern unzählige (große und kleine) Gefahren für die Harmonie und die Stabilität einer Beziehung. Auch das macht "Die defekte Katze" deutlich. Dabei handelt sich im Übrigen um universelle "Problemfelder", die sich freilich nicht nur auf arrangierte Beziehungen, sondern auf jede Art von Partnerschaft beziehen lassen. Das beginnt beim Streit über die angeschaffte Katze (sie liebt Katzen, er hasst sie) über die angespannte Stimmung beim Besuch von Kians Eltern bis hin zu den individuellen Schlafgewohnheiten, die für Konfusion und so manche Überraschung im Schlafzimmer sorgen.

Fazit: Lebensnahe, authentisch gespielte Komödie über die Schwierigkeit, Gefühle zu erzwingen und den Versuch, Freiheitsdrang und traditionsbewusstes Denken zu vereinen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.