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Kritik: Juliet, Naked (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der britische Schriftsteller Nick Hornby schreibt gerne Romane über Menschen, die sich begeistern können, für Musik beispielsweise, oder für Fußball ("High Fidelity", "Fever Pitch"). Seine Helden sind aber oft auch in der Gegenwart noch nicht so richtig angekommen, man könnte sagen, sie sind in ihrer persönlichen Entwicklung steckengeblieben. Auch in dieser Komödie, die auf seinem 2009 erschienenen, gleichnamigen Roman basiert, gibt es drei Menschen – den ehemaligen Rockstar Tucker Crowe, seinen glühenden Fan Duncan und dessen frustrierte Freundin Annie – die in ihrem Leben feststecken, weil das Vergangene darin eine so große Rolle spielt.

Unter der Regie des Amerikaners Jesse Peretz nimmt eine vergnügliche Handlung ihren Lauf, die eine Weile an zwei parallelen Schauplätzen spielt, in Annies englischem Provinznest Sandcliff und bei Tucker im amerikanischen New Jersey. Nicht nur als Rockstar und genervte Freundin seines Fans sind Tucker und Annie recht gegensätzlich angelegt. Er hat als ehemaliger Frauenheld etliche Kinder, die er ihr Leben lang ignorierte, sie traut sich nicht, eine Mutterschaft ohne Partner zu wagen. Aber in ihrem Mailaustausch erkennen sie auch Ähnlichkeiten, eine Verlorenheit im Leben, eine Sehnsucht, sich zu befreien.

Mit schönem trockenen Humor konfrontiert die Geschichte die beiden Mailschreiber, die sich dann auch begegnen, mit ihren Lebenslügen und Blockaden. Auch das Thema des Künstler-Images, das irgendwann die Weiterentwicklung des Menschen dahinter behindern kann, gehört im Hintergrund stets dazu. Lustigerweise sind es gerade Fans wie Duncan, die im Grunde kein Interesse daran haben, dass sich das Idol verändert. Denn sie huldigen weniger ihm selbst, als ihrer eigenen, vergangenen Jugend und einem konservierten Glück.

Diese durchaus tiefsinnigen und zugleich aus dem Leben gegriffenen Gedanken geben der Komödie Substanz. Rose Byrne spielt Annie als sympathische Komödienheldin, Chris O‘Dowd stellt Duncan unnachahmlich schluffig-egoistisch dar. Ethan Hawke verleiht Tucker Crowe charismatische Präsenz gepaart mit Humor und eine Aura, die zugleich rebellisch und abgehalftert wirkt. Hawke tritt auch singend in Erscheinung und die Filmmusik, die nicht nur aus Tuckers Indie-Rock besteht, sondern auch aus Songs, die einmal echte Hits waren, gibt der Komödie einen schönen nostalgischen Zug.

Fazit: Ein Ex-Rockstar und die genervte Freundin seines größten Fans entdecken, dass sie sich viel zu sagen haben: Ethan Hawke und Rose Byrne in den Hauptrollen sorgen für Romantik und komödiantischen Biss in dieser Verfilmung des gleichnamigen Romans von Nick Hornby. Regisseur Jesse Peretz lässt den trockenen, treffenden Humor des Schriftstellers gekonnt durchscheinen, wenn er über die Nöte der Charaktere erzählt, die Angst vor Veränderung haben. Dass es neben dem Beziehungsthema auch um das Spannungsverhältnis von Starruhm und Weiterentwicklung, von Künstler und Fans geht, verstärkt den Eindruck eines Unterhaltungsfilms mit Tiefgang.




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