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Kritik: Traumfabrik (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Drei Jahre nach "Unsere Zeit ist jetzt" kehrt Regisseur und Drehbuchautor Martin Schreier mit "Traumfabrik" ins Kino zurück. Es handelt sich um den dritten abendfüllenden Spielfilm des Kronbergers. In "Traumfabrik" vermengt er eine Love-Story mit deutsch-deutscher Geschichte vor dem Hintergrund des Mauerbaus sowie ein Stück deutscher Filmgeschichte: das DDR-Filmunternehmen DEFA realisierte ab 1946 rund 700 Spiel-, 750 Animations- sowie über 2000 Dokumentar- und Kurzfilme.

Mit viel Liebe zum Detail und einer akkuraten Ausstattung lässt Regisseur Schreier eine längst vergangene Zeit auferstehen, die uns bis heute im Kino viel zu selten präsentiert wurde: Das Treiben der Stars und Sternchen, der gewinnorientierten Produzenten und Studioleiter sowie der träumerischen Schauspieler in Babelsberg zu Zeiten der DDR. Ein solcher idealistischer, etwas naiver aber jederzeit sympathischer Zeitgenosse ist auch Emil, der von Dennis Mojen mit Verve und Abenteuerlust gespielt wird. Ebenfalls überzeugend in ihrer Rolle als moderne junge Frau und nüchtern auftretende Künstlerin agiert Emilia Schüle.

Das Hauptaugenmerk richtet "Traumfabrik" folglich auf die Liebesgeschichte zwischen den Beiden sowie den mutigen Plan Emils, Milou in den Osten zurückzuholen. Dies versucht Emil mittels eines wahnwitzigen Unterfangens zu erreichen, aus dem man im weiteren Verlauf ganz wunderbar eine bissige, augenzwinkernde Verwechslungs-komödie hätte stricken können. Und durch die sich wiederum die Eigenheiten und Charakteristika des DDR-Filmbetriebs – auf humorvolle Weise – aushöhlen ließen. Doch dafür ist "Traumfabrik" leider nicht vehement und ironisch genug.

Zumal die Liebesgeschichte und die Bilder, die Schreier für ihre Visualisierung findet, den Film ohnehin mit einem Zuckerguss aus Kitsch, Bombast und über-dramatisierenden Einstellungen überziehen – ganz zu schweigen von der arg stilisierten Farbgebung. Gelungen hingegen ist die rührende, in unsere Zeit verortete Rahmenhandlung, durch die die lange zurückliegenden Geschehnisse überlegt reflektiert und in einen größeren Kontext eingeordnet werden.

Fazit: Toll gespielter und detailreich ausgestatteter Mix aus Historienfilm und Liebesdrama, der letztlich aber zu harmlos, pathetisch und gefällig geraten ist.




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