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Welcome to Sodom - Dein Smartphone ist schon hier
Welcome to Sodom - Dein Smartphone ist schon hier
© Camino

Kritik: Welcome to Sodom - Dein Smartphone ist schon hier (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In ihrem neuen Dokumentarfilm "Welcome to Sodom – Dein Smartphone ist schon hier" befassen sich Christian Krönes und Florian Weigensamer, die gemeinsam bereits das Porträt "Ein deutsches Leben" über die für Joseph Goebbels tätige Sekretärin Brunhilde Pomsel realisierten, mit den Auswirkungen, die die Elektroschrott-Problematik der Ersten Welt auf die Dritte Welt hat. Sie zeigen die riesige, als "Sodom" bezeichnete Elektroschrott-Halde von Agbogbloshie, die in der Nähe von Ghanas Hauptstadt Accra liegt und sowohl der Wohnort als auch der Arbeitsplatz von circa 6.000 Männern, Frauen und Kindern ist.

Dabei geht es den Filmemachern nicht um ein Erklärstück. "Welcome to Sodom" ist weder eine detaillierte Schilderung der illegalen Elektromüll-Exporte der reicheren Länder nach Ghana noch eine genaue Darstellung der Mechanismen des Handels, welcher täglich auf der Deponie betrieben wird. Statt auf didaktische Methoden wie eine neutrale Erzählstimme oder Interviews setzen Krönes und Weigensamer sehr überzeugend auf Einfühlung, um die Lebensumstände der dort wohnenden und arbeitenden Menschen zu erfassen. Via voice-over teilen die Personen ihre Gedanken mit, während der Kamera von Christian Kermer lange, intensive Beobachtungen gelingen. Die Aufnahmen sind mit Bedacht gewählt, haben aber nichts von einer Ästhetisierung der herrschenden Armut. Das Werk ist bildgewaltig, jedoch nicht beschönigend. Die filmische Begleitung der Menschen mutet nicht übergriffig an; wenn die Gezeigten uns ihre Hintergrundgeschichten und teilweise auch ihre Geheimnisse anvertrauen, wirkt das zu keiner Sekunde voyeuristisch.

Drei Monate hat das Team auf der Deponie verbracht. "Im scheinbaren Chaos der Müllhalde entdecken wir perfekte Organisation, ja Ordnung", heißt es in einem Statement. Tatsächlich überrascht einiges, was wir zu sehen und zu hören bekommen. Denkt man nach den ersten Aufnahmen noch an all die Dystopien, die wir aus dem Kino kennen, wird das Bild dieses Ortes im Verlauf des Filmes immer vielschichtiger. So hat sich ein Arbeiter in einem Holzverschlag ein Tonstudio eingerichtet, um Rap-Musik zu produzieren. Ein anderer sieht in der Deponie als "Niemandsland" einen Schutzraum, nachdem er sein Studium abbrechen und aus seiner Heimat fliehen musste, weil er schwul ist. Er warnt indes davor, allzu lange hierzubleiben.

Fazit: Eine visuell eindrückliche dokumentarische Arbeit, die sich voller Empathie dem Leben von Menschen auf einer Elektroschrott-Halde widmet.




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