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Kritik: Glücklich wie Lazzaro (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Glücklich wie Lazzaro" ist das neue Werk der bemerkenswerten italienischen Regisseurin und Drehbuchautorin Alice Rohrwacher ("Land der Wunder"). Mit ihrer Kamerafrau Hélène Louvart ("Pina") hat sie ihr originelles, in Cannes prämiertes Skript im Super-16-Filmformat umgesetzt und dabei ein faszinierendes Konglomerat aus zeitlosem Märchen und überaus relevantem (Sozial-)Drama geschaffen. Rohrwacher beschwört die Magie des Kinos und die Wucht der Arbeiten von Größen wie Federico Fellini oder Pier Paolo Pasolini herauf, liefert in ihren körnigen Bildern aber keine der Wirklichkeit gänzlich entzogene Nostalgie, sondern setzt sich durchaus politisch mit der Historie ihres Landes auseinander.

Der Film erzählt vom Betrug der Wohlhabenden an den Mittellosen – zunächst im ländlichen, später im urbanen Milieu. Klug schildert Rohrwacher die Mechanismen der Ausbeutung sowie die herrschende Ungerechtigkeit. Als Hauptfigur wählt sie einen ungewöhnlichen und in seiner Selbstlosigkeit immer wieder irritierenden jungen Mann: Der titelgebende Lazzaro geht seiner Arbeit sowie sämtlichen Befehlen und Aufforderungen völlig ruhig und mit absoluter Selbstverständlichkeit nach; er verkörpert die Unschuld und erscheint alsbald wie ein fleischgewordenes Wunder in der unerbittlich wirkenden Umgebung. Der 1998 geborene Leinwanddebütant Adriano Tardiolo interpretiert diese Rolle mit seinem aufgeschlossenen Blick perfekt; niemals mutet Lazzaro einfältig an – vielmehr lassen seine Blicke eine umwerfend-grenzenlose Gutmütigkeit erkennen.

Ebenfalls beeindruckend ist der italienische YouTube-Star Luca Chikovani als renitenter Sohn der Ausbeuterin Marchesa Alfonsina De Luna: Der launenhafte Tancredi bleibt ein ambivalenter Charakter, der einerseits egoistisch handelt und andererseits die Machenschaften seiner Mutter, die ein ganzes Dorf in Leibeigenschaft hält, um mit ihrem Tabak Gewinn zu machen, als falsch und inhuman begreift. Die Szenen zwischen Tardiolo und Chikovani, deren Figuren eine fraglos unausgeglichene, aber doch besondere Freundschaft eingehen, sind äußerst spannend. Mit Rohrwachers Schwester Alba Rohrwacher ("Die Einsamkeit der Primzahlen") oder Tommaso Ragno kann "Glücklich wie Lazzaro" auch in der übrigen Besetzung vollauf überzeugen.

Fazit: In einer einnehmenden Mischung aus Märchen und Gesellschaftskritik widmet sich Alice Rohrwacher der italienischen Geschichte und bringt dabei wunderbare Schauspielleistungen ihres Ensembles zutage.




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