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Kritik: Sandstern (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Sandstern" ist der vierte Spielfilm, den Regisseur Yilmaz Arslan inszeniert hat. Der türkische Filmemacher produzierte sein neuestes Werk auch und schrieb das Drehbuch. Laut eigener Aussage kam ihm im Rahmen einer Recherche zu einem anderen Film die Idee zu "Sandstern", einem durchaus autobiographisch gefärbten Werk. Denn ebenso wie Hauptfigur Oktay, kam auch Arslan als Kind nach Deutschland und musste sich in einen neuen Kulturkreis einfinden. International bekannt wurde der 50-Jährige im Jahre 2005 durch das Drama "Brudermord", das unter anderem den Silbernen Leoparden bei den Filmfestspielen in Locarno erhielt.

"Sandstern" befasst sich mit universellen Themen und Aspekten wie Toleranz, Selbstfindung, Solidarität sowie dem beständigen Kampf um Anerkennung. Der Film zeigt anschaulich, welchen Ressentiments sich bereits junge Migranten in ihrem Umfeld nicht selten ausgesetzt sehen – im Klassenzimmer, auf dem Schulhof, im Umgang mit Gleichaltrigen auf dem Bolzplatz ums Eck. Es geht um Hass, vorgefertigte Meinungen und Befangenheit. Menschliche Gefühle, die Integration erschweren und Ausgrenzung befeuern.

Die Vorurteile, die Oktays Mitschüler gegen ihn hegen, verwandeln in einer nachdrücklichen Szene die Wut gegenüber dem Unbekannten in brutale Gewalt. Die Frage nach den Auswirkungen von Befangenheit und vorgefertigten Meinungen auf das Handeln der Mitmenschen ist eine, die Arslan in "Sandstern" dabei nicht nur einmal stellt. Daneben greift er klassische Coming-of-Age-Themen auf: Streitigkeiten mit den Eltern, das Austesten der eigenen Grenzen, das heimliche Schwärmen für die Mitschülerin. Arslan nimmt sich darüber hinaus für seine feinfühlig gezeichneten Figuren Zeit und ihre Probleme jederzeit ernst.

Die Charaktere werden von einem vorzüglichen Cast verkörpert – eine weitere große Stärke von "Sandstern". Zum einen ist erstaunlich, wie abgeklärt und vielschichtig der erst 15-jährige Roland Kagan Sommer sein Spiel anlegt. Man nimmt ihm nicht nur jede Gemütslage ab sondern fühlt sich ihm von Beginn auch verbunden. Ihm in nichts nach steht Katharina Thalbach. Ihr ist die Figur der kauzigen, eigenbrötlerischen älteren Dame, die immer einen passenden Spruch parat hat, auf den Leib geschneidert.

Fazit: Der eindringliche und famos gespielte Mix aus Coming-of-Age, Selbstfindungs-Drama und Familienfilm thematisiert den harten Kampf um Akzeptanz und den steinigen Weg zu sich selbst.




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