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Kritik: The Domestics (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Schein trügt. Wenn das alte Orion-Classics-Logo über die Leinwand schimmert, schießen einem Filme wie Akira Kurosawas "Ran" (1985) oder Pedro Almodóvars "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" (1988) durch den Kopf, die das 1983 gegründete Sublabel der Orion Pictures in den USA vertrieben hat. 2018 wurde Orion Classics wiederbelebt. Statt kommende internationale Klassiker ans Publikum in Übersee zu bringen, dient die Multiplattform 35 Jahre später nur noch dazu, Filme möglichst schnell mehrfach auszuwerten. Mike P. Nelsons "The Domestics" machte den Anfang und erschien in Nordamerika nur einen Tag nach seinem Kinostart bereits als Video on Demand.

In Deutschland hat sich Kinostar des Endzeitslashers angenommen. Und die Bilder, die Kameramann Maxime Alexandre eingefangen hat, sind durchweg kinotauglich. Was Plastizität, Lichtsetzung und Farben betrifft, könnten sich einige hiesige Produktionen eine dicke Scheibe abschneiden. Der Rest – vom dünnen Drehbuch über den schwachbrüstigen Score bis zum eindimensionalen Schauspiel – ist leider Magerkost, die in der DVD-Abteilung tatsächlich besser aufgehoben wäre.

Regisseur und Autor Mike P. Nelson plündert munter die Filmgeschichte. Kostüme und fahrbare Untersätze erinnern an "Mad Max" (1979), die sozialen Säuberungen an "The Purge" (2013). Und auf der Straße marodieren Banden, die mit ihren skurrilen Namen und Kostümen Stanley Kubricks "Uhrwerk Orange" (1971) oder Walter Hills "Die Warriors" (1979) entsprungen sein könnten. Während eines irren Duells in einem Hotel kommt ein bisschen "Die durch die Hölle gehen" (1978) und im finalen Showdown "High Noon" (1952) unter vertauschten Rollen hinzu. Dieses aberwitzige Postapokalypse-Potpourri fügt sich allerdings nie so recht zu einem schlüssigen, schmackhaften Ganzen.

Kleine gelungene Episoden stehen neben einer allzu zähen Haupthandlung, die immer wieder zerfasert. Einzig der groovende Soundtrack, den im Film ein Radiosender besorgt, bringt etwas Schwung ins Geschehen und in den Kinosaal. Dass das Publikum nie richtig mitfiebert, liegt am nur schwer verdaulichen Spiel. Für einen günstig produzierten Endzeitthriller geben Tyler Hoechlins und Kate Bosworth' Charaktere samt ihrer eingebauten Ehekrise eigentlich ausreichend Figurentiefe her. Hoechlin und Bosworth agieren allerdings so emotionslos, als ob sie am Set zu viele Schlaftabletten eingeworfen hätten. Der angedachte Humor, der den Terror etwas auflockern soll, geht angesichts solcher Leistungen leider größtenteils unter.

Fazit: "The Domestics" ist ein Endzeitthriller, der sich ungeniert bei unzähligen Vorbildern bedient. Die Kombination altbekannter Elemente funktioniert aber nur bedingt, da Regisseur und Drehbuchautor Mike P. Nelson zu wenig eigene Ideen einbringt und seine beiden Hauptdarsteller viel zu uninspiriert und emotionslos agieren.




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