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Geister der Weihnacht
Geister der Weihnacht
© Universum Film

Kritik: Geister der Weihnacht (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Charles Dickens "Eine Weihnachtsgeschichte" ist einfach nicht totzukriegen. Unzählige Male wurde die Erzählung, die im Dezember 1843 als "A Christmas Carol in Prose, Being a Ghost-Story of Christmas" erstmals in den Läden stand, bereits fürs Kino und Fernsehen adaptiert. Den Geizkragen Ebenezer Scrooge gaben unter anderem Schauspielgrößen wie Albert Finney im Musical "Scrooge" (1970), Bill Murray in der Mediensatire "Die Geister, die ich rief" (1988), Michael Caine an der Seite von Kermit dem Frosch und Miss Piggy in "Die Muppets Weihnachtsgeschichte" (1992) oder Jim Carey in der animierten 3D-Variante von Disney (2009).

Das Jahresende 2018 wartet nun gleich mit zwei Versionen auf. Während "Charles Dickens: Der Mann der Weihnachten erfand" lustvoll Leben und Werk des Schriftstellers miteinander verschränkt, bringt die Augsburger Puppenkiste zu ihrem 70. Geburtstag eine Marionettenvariante in die Kinos. Puppenspielerin, Autorin und Koregisseurin Judith Gardner schrieb die Vorlage in eine Bühnenversion um. In der Werkstatt wurden derweil fleißig Figuren geschnitzt und Bühnenbilder gebaut. Nach der biblischen "Weihnachtsgeschichte" (2016) und "Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel" nach einer Vorlage Cornelia Funkes ist "Geister der Weihnacht" bereits der dritte Feiertagsfilm der Fuggerstädter in Folge. Er ist in Sondervorführungen an den Adventswochenenden, am Nikolaustag und an Weihnachten zu sehen.

Gardners Bearbeitung überzeugt mit viel Herz und einer leichten Fokusverschiebung. Um auch den ganz Kleinen im Publikum genügend Identifikationspotenzial zu bieten, rückt ihre Handlung neben dem hartherzigen Scrooge auch den schwer kranken, herzensguten Timi in den Mittelpunkt. Obwohl die Marionetten mit ihren starren Gesichtsausdrücken über keinerlei Mimik verfügen, wirken sie lebendig, was abseits der kreativen Gestaltung und der leichtfüßigen Bewegungen der Puppenspieler an den tollen Synchronstimmen liegt. Neben Martina Gedeck, die dem Geist der vergangenen Weihnacht eine tänzelnde Anmut verleiht, ist hier besonders Thomas Rauscher hervorzuheben, der den ganzen erdenschweren Groll in die Stimme des alten Geizkragens packt.

IInszenatorisch wäre allerdings deutlich mehr drin gewesen. Die Anzahl der Sets, Kameraeinstellungen und Schnitte bleibt überschaubar, weil das im Kino Gezeigte für spätere Aufführungen in der Puppenkiste problemlos auf die Bühne übertragbar sein muss. Statt einen Blick aus dem Fenster in eine neue Szene zu überführen, zeigen Regisseur Julian Köberer und Gardner eine Mauerschau. Gepaart mit der Guckkastenoptik wirkt das doch arg theatral und ein wenig altbacken. Diese ungewohnt ruhige Vermittlung hat aber auch etwas für sich, können sich die Kinder doch ganz auf Dickens' Geschichte konzentrieren. Und die wird mit ihren universellen Themen wie Menschlichkeit und Nächstenliebe nie alt.

Fazit: Die Weihnachtsfilme der Augsburger Puppenkiste gehen in die dritte Runde. Die eigens fürs Kino erarbeitet Neuinszenierung von Charles Dickens' berühmter Vorlage wirkt zwar zwischendurch arg theatral, überzeugt aber durch kreative Figuren, tolles Puppenspiel, markante Synchronstimmen und eine Geschichte, die nicht alt wird.




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