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Kritik: The Hate U Give (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Für ihren ersten, mit Preisen überhäuften Roman, auf dem der Film basiert, wurde Autorin Angie Thomas von einer schrecklichen Tat "beeinflusst". Es war im Jahr 2009, als der gerade 22-jährige Oscar Grant von einem Polizisten erschossen wurde, obwohl der junge Mann bereits wehrlos auf dem Boden lag. Darüber hinaus ließ Thomas auch autobiografische Elemente in den Film mit einfließen. Denn sie selbst lebte in einem verwahrlosten Vorort am Stadtrand und besuchte eine hauptsächlich von Weißen besuchte, bessere Privatschule. Inszeniert wurde "The Hate U Give" von George Tillman Jr., der 2000 mit dem Drama "Men of Honor" bekannt wurde.

Filme über (Polizei-)Gewalt, Brutalität und rassistisch motivierte Straftaten gibt es viele. Nur wenige dieser Produktionen aber richten sich vornehmlich an ein junges Publikum, um die jungen Menschen für diese schwierigen Themen und komplexen Hintergründe zu sensibilisieren. "The Hate U Give" versucht genau das, was allein schon ein enorm wichtiges, mutiges Unterfangen darstellt und dem Film damit eine Daseinsberechtigung verleiht. Regisseur Tillman reichert sein Werk dafür mit einer Unmenge an modernen, die Handlung vorantreibenden R’n’B-Hits und Hip-Hop-Beats von Künstlern wie 2Pac, Travis Scott oder Kendrick Lamar an.

Hinzu kommt eine ungemein charismatische, ausdrucksstark agierende Hauptdarstellerin, die sich als großer Hauptgewinn erweist. Wie die gerade 20-jährige Amandla Stenberg - Bekanntheit erlangte sie unter anderem durch die "Tribute von Panem"-Reihe - ihre Zerrissenheit zwischen der Welt der Schwarzen und die der Weißen darstellt, ist an Eindringlichkeit und Authentizität nur schwer zu überbieten. Als intelligente, reflektierende junge Frau, die sich gegen die Schwachen und die Verbreitung von Vorurteilen einsetzt, eignet sie sich zudem perfekt als Identifikationsfigur.

Leider schwelgt der Film darüber hinaus aber immer wieder in Klischees und pathetischen Dialogen. Gerade in der ersten Hälfte zeichnet er die unterschiedlichen Milieus - den Vorort und die Privatschule - als wenig differenziert und zu einseitig - die guten Weißen, die kriminellen Schwarzen. Dass er diese Allgemeinplätze beziehungsweise Aussagen im Laufe der Handlung ins genaue Gegenteil verkehrt ist aller Ehren wert - aber nur wenig glaubhaft. Die salbungsvollen, fast pastoral anmutenden und kitschigen Dialoge ("Lass nicht zu, dass man dich zum Schweigen bringt" oder "Ich hab dich nicht ohne Grund Star(r)genannt" etc.) erweisen sich als ebenso wenig förderlich – und lassen "The Hate U Give" immer wieder zu manieriert und überzogen expressiv erscheinen.

Fazit: Die Botschaft und die Konzentration auf eine junge Zielgruppe sind wichtig und verleihen dem Film seine Daseinsberechtigung. Das übertriebene Heldenpathos und die schmalzigen Dialoge trüben jedoch den Gesamteindruck – trotz der herausragenden Amandla Stenberg in der Hauptrolle.




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