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Die verborgenen Farben der Dinge
Die verborgenen Farben der Dinge
© Film Kino Text

Kritik: Die verborgenen Farben der Dinge (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Die verborgenen Farben der Dinge" legt der italienisch-schweizerische Filmemacher Silvio Soldini ("Brot & Tulpen", "Was will ich mehr") seine neue Arbeit vor – und widmet sich darin abermals der charakterlichen Entwicklung sowie den zwischenmenschlichen Konflikten seiner Figuren. Das Drehbuch, welches Soldini gemeinsam mit Davide Lantieri und Doriana Leondeff geschrieben hat, erzählt von einem Mann, der sowohl beruflich als auch privat als Verführer auftritt – und von einer blinden Frau, die diesen Mann mit ihrer couragierten Art irritiert und anzieht.

Der Protagonist Teo ist gewiss kein Sympathieträger; er belügt und betrügt seine Freundin, verhält sich abweisend gegenüber seiner Familie – und auch seine Motive, eine intimere Ebene mit Emma zu erreichen, sind zunächst fragwürdig. Die Liebe, die zwischen Teo und Emma entsteht, ist von etlichen Ambivalenzen durchzogen: Zwar fängt Soldini mit seinem Kameramann Matteo Cocco das Schöne, Sinnliche und Unbeschwerte ein, wenn Teo und Emma etwa zusammen ins Kino gehen oder Blumen kaufen oder mit Emmas Mitbewohnerin Patti einen amüsanten Abend verbringen; dennoch wird die Beziehung nicht verklärt – immer wieder kommt es zu Unsicherheiten, Enttäuschungen und seelischen Blessuren.

Adriano Giannini ("Stürmische Liebe – Swept away") sorgt mit seiner Darstellung dafür, dass Teo als erfolgsverwöhnter Werbeprofi und oft rücksichtsloser Casanova nicht zu einer Karikatur wird; auch das Spiel von Valeria Golino – bekannt aus so unterschiedlichen Filmen wie "Rain Man" (1988), "Hot Shots!" (1991) und "Die süße Gier" (2013) – ist überaus eindrücklich: Golino macht Emmas Wunsch und Willen nach Unabhängigkeit spürbar, aber auch Emmas Angst, von Teo verletzt zu werden. Überzeugend ist zudem Golinos Interaktion mit Laura Adriani, die eine ebenfalls blinde Sprachschülerin von Emma verkörpert und mit ihrem Schicksal hadert. Wenn Emma die junge Frau dazu zu bringen versucht, sich und das Leben nicht aufzugeben, zeigt sich Emmas Stärke ebenso wie in der Auseinandersetzung mit dem egoman-unentschlossenen Teo.

Fazit: Ein Charakterdrama ohne Kitsch, das sich einer konfliktreichen Annäherung widmet und dabei von seiner guten Besetzung profitiert.




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