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Immenhof - Das Abenteuer eines Sommers
Immenhof - Das Abenteuer eines Sommers
© Concorde

Kritik: Immenhof - Das Abenteuer eines Sommers (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Pferde haben im deutschen Kinder- und Jugendfilm Konjunktur. Nach "Ostwind" (2013), dessen vierter Teil bereits in der Startbox steht, nach "Bibi & Tina voll verhext!" (2014) und "Wendy – Der Film" (2017) erhält die "Immenhof"-Reihe (1955-1957 und 1973-1974) eine Verjüngungskur. Mit den altbackenen Heimatfilmen hat Sharon von Wietersheims Neuinterpretation mehr gemein, als ihr lieb sein dürfte. Neben den Grundzügen des Plots ist das vor allem die Heile-Welt-Stimmung, die Wietersheim auch im Angesicht der drohenden Katastrophe verbreitet. Trotz starker junger Frauen hechelt ihre Version der Konkurrenz allerdings gleich ein paar Pferdelängen hinterher.

Das liegt in erster Linie an Wietersheims unentschlossenem, dramaturgisch unausgewogenem Drehbuch. Kaum sind die Figuren, ihre prekäre Lage und der Konflikt mit dem Besitzer des Nachbargestüts mustergültig eingeführt, verliert die Handlung ihren Fokus. Tolle Nebencharaktere wie Lous (Leia Holtwick) kleine Schwester Emmie (Ella Päffgen) tauchen ab, nur dürftig motivierte Entscheidungen der Figuren nehmen zu. Die Story ist sprunghaft und zugleich übervoll mit unnötigen Szenen, die weder die Handlung vorantreiben noch die Charaktere weiterentwickeln. Obwohl Erwachsene von vornherein wissen, auf welches Finale der Film zusteuert, wirkt all das nie zwingend genug und häufig behauptet. Über Lous Gespür im Umgang mit Pferden wird beispielsweise mehr geredet, als dass Wietersheim diese Fähigkeiten zu Beginn ihres Films auch ausreichend vorführen würde. Bei einer Laufzeit von mehr als 100 Minuten erzeugt das selbst bei jüngeren Zuschauern Leerlauf und Langeweile.

"Immenhof" weiß nicht recht, ob es Familienfilm, Coming-of-Age-Drama, Abenteuer- oder Liebesgeschichte sein will. Lous Flirts mit ihrem Kindheitsfreund Matz (Rafael Gareisen) und dem Neuankömmling Leon (Moritz Bäckerlin) wirken ebenso aufgesetzt wie Hannes de Mayers Musik, die stets dort überdeutlich dramatisiert, wo es Handlung und Schauspiel nicht vermögen. Während Nebendarsteller wie Heiner Lauterbach, Max von Thun oder Valerie Huber allenfalls Routinearbeit abliefern, bleibt Neuentdeckung Leia Holtwick blass. Die Chemie zwischen ihr und den beiden Jungs stimmt nicht. Weder ihre Figur noch die Geschichte reißen mit. Was bleibt, sind Friede Clausz' schöne Bilder und die positive Botschaft, Pferde mit Liebe und Respekt und nicht wie Trophäen oder Hochleistungsmaschinen zu behandeln.

Fazit: "Immenhof" ist ein Kinder- und Jugendfilm mit positiver Botschaft. Im Rennen mit der Konkurrenz hechelt er allerdings ein paar Pferdelängen hinterher. Der unentschlossene, dramaturgisch dürftige Film hat selbst für Kinder- und Jugendliche jede Menge Leerlauf.




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