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Kritik: Sunset (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nachdem er mit seinem im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau angesiedelten Thriller-Drama "Son of Saul" (2015) viel Beachtung fand und unter anderem den Großen Preis der Jury in Cannes sowie einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film des Jahres gewann, präsentiert der ungarische Regisseur László Nemes mit "Sunset" sein neues Werk. Das Drehbuch, welches Nemes gemeinsam mit Clara Royer und Matthieu Taponier verfasst hat, erzählt von der Ankunft der Protagonistin Írisz im Budapest der frühen 1910er Jahre und begleitet die junge Frau auf der Suche nach ihren familiären Wurzeln.

Wie schon in Nemes' Vorgängerarbeit ist die Kamera (abermals geführt von Mátyás Erdély) stets extrem nah an der Hauptfigur, wodurch erneut ein sehr subjektiv geschilderter Film entsteht. Írisz (und somit auch uns) werden Informationen vorenthalten; sie wird unfreundlich und abweisend behandelt, gewarnt, bedroht und mehrmals mit Gewalt konfrontiert. Die Nebenrollen sind etwa mit Vlad Ivanov ("4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage") und Susanne Wuest ("Ich seh ich seh") gut besetzt; dennoch konzentriert sich "Sunset" ganz und gar auf Írisz. Die 1988 geborene Juli Jakab, die schon in "Son of Saul" mitspielte, verkörpert die zunächst verletzlich wirkende, aber äußerst entschlossen auftretende Frau überaus eindrücklich: Sie vermittelt die Orientierungslosigkeit der talentierten Hutmacherin ebenso wie deren starken Willen, mehr über die eigene Familie in Erfahrung zu bringen – selbst wenn dies mit Gefahr verbunden ist.

Die Kamerafahrten geben uns ein Gefühl für das Chaos in der staubigen Stadt; die düsteren, oft albtraumhaft anmutenden Bilder bleiben in Erinnerung. "Sunset" ist (wie bereits "Son of Saul") eine echte Herausforderung. Es geht Nemes nicht darum, den historischen Hintergrund zu erklären und die Geschichte von Írisz in allen Einzelheiten zu enthüllen. Er wirft uns zusammen mit der Heldin in eine verwirrende, brutale und grausame Zeit – und geht dabei ausgesprochen konsequent vor.

Fazit: Eine betont subjektive Erzählung über die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in Budapest, in der die Wirrnis der damaligen Dekade spürbar wird. Die Hauptdarstellerin Juli Jakab liefert eine beachtliche Leistung.




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