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Jota - Ein spanischer Tanz
Jota - Ein spanischer Tanz
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Jota - Mehr als Flamenco (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der 1932 geborene spanische Regisseur Carlos Saura ("Flamenco, Flamenco") ist nicht nur wegen seiner kritischen Spielfilme aus der Franco-Ära berühmt. Immer wieder befasst er sich dokumentarisch mit den Tanz- und Musikgenres seiner spanischen Heimat und huldigt ihnen als Kunstform mit für die Kamera inszenierten künstlerischen Darbietungen. Nun widmet er sich der viele Jahrhunderte alten "La Jota", einem auf arabische Einflüsse zurückgehenden Tanz und Gesang, der sich in Spanien ungebrochener Beliebtheit erfreut.

Ohne Kommentare lässt er die Musik und den Tanz in vielen kleinen Inszenierungen für sich sprechen. Es treten hauptsächlich Profis auf, die regionale Variationen vorführen, aber auch alte Formen und eine sehr moderne, vom Jazz beeinflusste. Anders als im verwandten Flamenco wird nicht mit den Füßen gestampft und es geht nicht so wild und feurig zu. Der Tanz und Gesang sind vielmehr Ausdruck von Lebensfreude, haben etwas Liebliches, auch Feierliches. Die wiegenden Vierteldrehungen mit den abwechselnd vorgestreckten Füßen erinnern an die Moriskentänze des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Tänzer verwenden oft Kastagnetten, Männer und Frauen umspielen sich harmonisch, treten kommunikativ in Verbindung.

In manchen der Aufnahmen, für die sich Musiker und Tänzer auf einer Bühne ohne Publikumsraum versammeln, entwickelt sich eine spürbare Leidenschaft, eine getanzte Dramatik, die zum beglückenden Erlebnis für die Betrachter wird. Andere Profi-Tänze jedoch wirken eher uninspiriert und beliebig in ihrer Interpretation der Musik. Ermüdend ist auf Dauer vor allem die Übersetzung folkloristischer Motive in eine Art Fernsehballett-Ästhetik. Oft drehen sich Frauen in langen, eleganten Kleidern im Kreis und sehen dabei schlank und anmutig aus. Weniger beliebig wirken Passagen, in denen ein Mann über seine Kindheit im Bürgerkrieg singt und die Lebensfreude, die ihm vorenthalten blieb, oder Tänze mit Laien, die stärkeren Bezug zur dörflichen Tradition aufweisen. Schön ist, dass die Liedtexte untertitelt sind und man so erfährt, wovon sie handeln – oft von der Liebe allgemein, auch zum Leben und zur Heimat.

Fazit: Altmeister Carlos Saura huldigt in diesem Dokumentarfilm der La Jota, einer traditionellen spanischen Tanz- und Gesangsform, deren Wurzeln in Aragon, der Heimatprovinz des Regisseurs, liegen. In ihren Melodien und Tänzen drückt sich bukolische Lebensfreude aus, die anmutigen, von Drehbewegungen begleiteten Schritte wirken spielerischer als der Flamenco. Viele filmisch inszenierte Bühnendarbietungen, in denen vor allem Profitänzer auftreten, illustrieren die Wandlungsfähigkeit der Jota. So entsteht eine Art Überblicksschau, die allerdings auch einige recht beliebige, redundante Passagen enthält.




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