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Pelikanblut - Aus Liebe zu meiner Tochter
Pelikanblut - Aus Liebe zu meiner Tochter
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Kritik: Pelikanblut - Aus Liebe zu meiner Tochter (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Pelikanblut", ein Beispiel für den neuen, mutigen deutschen Film, ist fordernd, provokativ, unbequem, ambivalent – und am Ende doch überraschend versöhnlich. Regisseurin Kathrin Gebbe bricht darin gleich mehrere Tabus, am augenscheinlichsten mit jener (mitunter religös aufgeladenen) Vorstellung, dass Kinder (Mädchen) unschuldige, geradezu engelsgleiche Wesen wären, unantastbar und erhaben: Denn der Film handelt von einem psychopathischen Mädchen von gerade 5 Jahren, die den Hannibal Lecters und Norman Bates dieser Filmwelt das Fürchten lehren würde. Gebbe pervertiert und hinterfragt des weit verbreitete Bild des "heiligen, unschuldigen Kindes" und der "braven, schuldlosen Frau" (die kleine Raya vergeht sich sexuell an einem gleichaltrigen Jungen!) und stellt diesen ganzen Verstörungen das Ideal bedingungsloser, aufopfernder Liebe als Hoffnung und (mögliche) Heilung gegenüber, die die schlimmsten "Dämonen" vertreiben kann.

Herausragend ist dabei vor allem das Spiel der Jungdarstellerin Katerina Lipovska als Raya: Selten hat man arrivierte Starschauspieler aus Hollywood oder sonstwo mit einer derartigen Intensität agieren sehen. Seine Anziehungskraft entwickelt "Pelikanblut" aber vor allem aufgrund des ungewöhnlichen Sujets, das vor allem zart besaitete und sensible Gemüter auf eine harte Probe stellen wird. Die Inszenierung ist dabei stets subtil und unaufdringlich, Gebbe gibt ihren Darstellern und ihrem Plot Raum, sich frei zu entfalten. Vor allem aber hütet sie sich vor Wertungen und gibt uns Zuschauern damit das größte Geschenk mit in die Hand: Eine intensive filmische Erfahrung, eine emotionale Herausforderung und ein Werk, den jeder für sich selbst erschließen muss.

Fazit: Unbedingt sehenswert: Regisseurin Gebbe mischt Realismus mit Fantastik, Drama mit Tragödie und Provokation mit Denkanstößen. Ein Film nicht für jedermann/frau, aber eine cineastische, intellektuelle und emotionale Herausforderung, der man sich stellen kann - und soll.




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