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Kritik: Loro - Die Verführten (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der 1970 in Neapel geborene Paolo Sorrentino ("La Grande Bellezza – Die große Schönheit") befasst sich nach seinem satirischen Porträt "Il Divo – Der Göttliche" (2008) über Giulio Andreotti abermals mit einer ambivalenten Gestalt aus der italienischen Politik: In "Loro – Die Verführten" zeigt er einen Ausschnitt aus dem Leben von Silvio Berlusconi zwischen 2006 und 2010, nachdem Il Cavaliere bei den Parlamentswahlen eine knappe Niederlage hinnehmen musste. Sorrentino lässt fiktive Figuren wie den ehrgeizigen Unternehmer Sergio Morra auf reale Persönlichkeiten treffen und bringt ein Sittengemälde hervor, das tragische und surreale Passagen kombiniert und sich der Dekadenz widmet.

Der Film wurde ursprünglich als Zweiteiler konzipiert: In Italien kamen der erste, 100-minütige und der zweite, 104-minütige Teil kurz hintereinander in diesem Frühling ins Kino; für den internationalen Vertrieb erstellte Sorrentino indes eine circa zweieinhalbstündige Fassung. Einige dramaturgische Unebenheiten sind womöglich auf diesen Prozess zurückzuführen; die Stärke von "Loro" liegt hingegen zum einen im Visuellen, zum anderen in der Intensität einzelner Sequenzen.

Wenn Sorrentino etwa mit seinem Stammkameramann Luca Bigazzi den MDMA-Rausch auf den Pool-Partys einfängt, die auf Berlusconis Nachbar-Grundstück stattfinden, oder wenn das Duo die Absurdität von Berlusconis gigantischer Sommerresidenz in Sardinien in Bilder fasst, entstehen Aufnahmen, die sich einprägen. Und wenn der von Toni Servillo mit vollem Einsatz verkörperte Berlusconi sich plötzlich wieder auf seine Fähigkeiten als Immobilienverkäufer besinnt und eine Hausfrau am Telefon zum Erwerb eines angeblich geplanten Luxus-Apartments überredet, wird deutlich, wie ein durchaus clownesk wirkender Mann überhaupt so viel Macht erlangen konnte. Spannend sind vor allem die Dialogduelle zwischen dem Protagonisten und dessen Gattin Veronica (überzeugend gespielt von Elena Sofia Ricci). Neben Stella (Alice Pagani) – einer jungen Frau, die dem Party-Exzess zu entgehen versucht – zählt Veronica zu den wenigen Figuren, die Berlusconi mit unangenehmen Wahrheiten über die Peinlichkeit seines Auftretens konfrontieren.

Fazit: Eine filmische Darstellung Silvio Berlusconis – mit erzählerischen Schwächen, aber eindrücklichen Momenten, guten Schauspiel-Leistungen und interessanten Bildideen.




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