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Der Flohmarkt von Madame Claire
Der Flohmarkt von Madame Claire
© Neue Visionen

Kritik: Der Flohmarkt von Madame Claire (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Lange hat die alte Madame Claire nun schon allein in ihrem großen Haus gelebt, nur von den schönen Dingen umgeben, die sie leidenschaftlich sammelte. Die Tochter verließ das Haus in ihrer Jugend, der Sohn und der Mann waren da schon verstorben. Nun aber kehrt die Tochter Marie wieder zurück, weil die Mutter das Haus leerräumt, als besäße nichts darin mehr einen Wert. Die französische Regisseurin Julie Bertuccelli ("Seit Otar fort ist") hat mit Catherine Deneuve und ihrer Tochter Chiara Mastroianni in den Hauptrollen ein sensibles Mutter-Tochter-Drama inszeniert, das auf dem Roman "Faith Bass Darling‘s Last Garage Sale" von Lynda Rutledge basiert.

Catherine Deneuve spielt die Rolle der alten Claire großartig, die voller Elan und Leben stecken kann und dennoch geistig nicht mehr voll da ist. Der Film lässt dieser Claire ihre Geheimnisse, er blickt nur indirekt in ihre Seele, um die es dennoch die ganze Zeit über geht. Sowohl Claire, als auch ihre Tochter Marie erinnern sich immer wieder an Szenen aus dem Familienleben, die sich nur zögerlich verdichten, hin zu einem traumatischen Ereignis, das sich zwischen Mutter und Tochter schob. Eine zentrale Rolle in ihrer Beziehung spielen die Uhr mit dem Elefanten, welche die Mutter einst dem kleinen Mädchen ins Zimmer stellte, und ein Ring, der beiden viel bedeutet. Rätselhaft bleibt die Identität eines kleinen Mädchens, das durch den Garten der alten Claire huscht und ein paar Schätze für ihr Versteck stibitzt.

Am Ende ihres Lebens sieht Claire vielleicht klarer, dass die schönen alten Objekte nur etwas bedeuteten, solange es noch eine Familie gab. Aber vielleicht stimmt auch das nicht. Die mechanischen Puppen, die wertvollen Dinge, von denen das Haus voll ist, verleihen dem Film jedenfalls eine sehr sinnliche, nostalgische Atmosphäre. Das tröstliche Wohlgefühl, das Claire bei ihnen suchte, teilt sich den Zuschauern mit. Das verrutschte Zeitempfinden, das Claires Bewusstsein, aber auch den Film prägt, wird sehr ansprechend visualisiert, indem die Person, die sich an früher erinnert, oft ihrer jüngeren Ausgabe in Aktion zuschaut und dabei selbst im Bild erscheint. Die große Catherine Deneuve sorgt dafür, dass all das nicht nur ziemlich versponnen wirkt.

Fazit: Unter der Regie von Julie Bertuccelli gerät dieses auf einem Roman von Lynda Rutledge basierende Drama, in dem eine alte Frau Abschied vom Leben nimmt, zu einer bewegenden Mutter-Tochter-Geschichte. Catherine Deneuve und ihre Tochter Chiara Mastroianni spielen das entfremdete Gespann, das sich nach langer Trennung wiederbegegnet. Die Inszenierung wirkt reizvoll, weil die Titelfigur ihre Rätselhaftigkeit behalten darf, die der Tochter zu schaffen macht. Außerdem verleihen die vielen von Claire gesammelten mechanischen Puppen und Antiquitäten dem Film einen nostalgischen Wohlfühlcharakter.




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