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FBW-Bewertung: Fritzi - Eine Wendewundergeschichte (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.
Der Film Fritzi? Eine Wendewundergeschichte basiert auf dem Kinderbuch Fritzi war dabei: Eine Wendewundergeschichte von Hanna Schott mit den Illustrationen von Gerda Reidt. Für den Film haben Ralf Kukula und Matthias Bruhn ein etwas zeitgemäßeres Animationskonzept entwickelt, das sich zugleich an den Klassikern der ligne claire orientiert.
Die Geschichte beginnt zu Schulbeginn im Sommer 1989 in Leipzig: Fritzis beste Freundin Sophie hat mit ihrer Mutter Ferien in Ungarn gemacht, ist jedoch nicht zurückgekehrt. Langsam beginnt Fritzi zu verstehen, dass ihre beste Freundin nach Westdeutschland geflohen ist und ihr nur den Hund zurückgelassen hat. Sie stellt sich erstmals essenzielle Fragen, die auch sie betreffen können: Doch warum muss man eigentlich aus seinem eigenen Land fliehen?
Die Suche nach ihrer Freundin führt Fritzi eher zufällig in die Montagsdemos, die gegen die Mauer protestieren, an die militärisch gesicherte Grenze und bringt sie in Konflikte in ihrer Schule und mit der Staatssicherheit. Fritzi erlebt die Stadt Leipzig zur Zeit des Mauerfalls, immer in der Hoffnung und Bemühung, ihre Freundin Sophie endlich wieder in ihre Arme schließen zu können ? bis sich die Mädchen dann an der Grenze gegenüber stehen.
Der Film Fritzi? Eine Wendewundergeschichte ist der Versuch, die DDR-Thematik in ihrer Differenziertheit deutlich zu machen. Einige stereotype Darstellungen kommen dem märchenhaften Duktus des Films entgegen, mögen aber auch der kindlichen Perspektive geschuldet sein. Viele Aspekte der Ideologie werden nach und nach über Dialoge geklärt und für ein kindliches Publikum nachvollziehbar aufbereitet.
Eine große Detailfreude ist in der Darstellung des Milieus bemerkbar: Schaufenster, Klassenzimmer, Stadtbild, Grenzanlagen ? all das wurde sorgfältig nach historischen Dokumenten und Zeitzeugenerfahrungen rekonstruiert. Dem kommt eine differenzierte Figurenzeichnung von Eltern und Kindern entgegen.
Klassische Zeichentricktechnik erweist sich als interessante künstlerische Entscheidung, zumal die Einfachheit des Figurendesigns mit der Detailliertheit der Hintergründe in Spannung steht, woraus ungewöhnliche Effekte resultieren, auch wenn die Narration an manchen Stellen ein wenig kitschig-märchenhaft gerundet wird. Das Thema wird aus der Sicht von Kindern, die zunächst naiv und dann immer bewusster involviert werden, beleuchtet. Politisch wirft der Film im Verhältnis zu heutigen Entwicklungen möglicherweise Fragen auf, die er nicht zwingend und durchweg befriedigend klären kann. Das ist dem künstlerisch, ästhetisch und dramaturgisch durchweg gelungenen Konzept jedoch nicht anzukreiden. Die Jury würdigt daher den Film nicht nur als Kinder- und Jugendfilm, sondern auch als Historienfilm für die ganze Familie mit dem Prädikat ?besonders wertvoll?.



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