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Womit haben wir das verdient?
Womit haben wir das verdient?
© Neue Visionen

Kritik: Womit haben wir das verdient? (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Diese Komödie der österreichischen Regisseurin und Drehbuchautorin Eva Spreitzhofer rollt genüsslich die Nöte einer Mutter mit ihrer jugendlichen Tochter auf, die urplötzlich zum Islam konvertiert und nur noch in langen Gewändern und mit Kopftuch herumläuft. In diesem Konflikt spiegeln sich tiefsitzende gesellschaftliche Ängste vor Überfremdung und speziell vor dem Einfluss orthodoxer oder radikaler Muslime auf die Kultur. Selbst mit Komasaufen hat die 16-jährige Nina ihre emanzipierte Mutter Wanda, die als Ärztin in einer Klinik in Wien arbeitet, nicht so sehr schockieren können wie mit der Verwandlung in eine züchtige Muslima, die über gottgefälliges Benehmen predigt.

Die bissige Komödie lebt von der Zuspitzung. Nina, die sich in Fatima verwandelt, trägt weniger individuelle Züge, als dass sie eine Projektionsfläche für elterliche Ängste abgibt. Nina will ihre Mutter provozieren, sich abgrenzen. Damit aber ruft sie Wanda nur noch mehr auf den Plan. Der Verlauf dieses Abnabelungskonflikts ergibt einen schönen Spannungsbogen. Die eigentliche Würze liefert die Culture-Clash-Thematik, die nicht nur Wanda umtreibt, sondern die verzweigte Patchworkfamilie, Freunde, selbst Passanten auf der Straße. Mit herrlichem Wiener Schmäh und sehr deutlichen, despektierlichen Worten bekommt die Hidschab-Trägerin Nina zu hören, wie sehr ihr Gewand auf Ablehnung stößt. Die Komödie traut sich, gesellschaftliche Stimmungen ungefiltert wiederzugeben, politisch ein wenig unkorrekt zu sein. Lautes Auflachen ist eine häufige Zuschauerreaktion, denn die Witze sind köstlich treffsicher – etwa wenn Toni im Bad aufkreuzt, in dem Nina ihre umständliche rituelle Reinigungsprozedur zum Ende bringen will und plötzlich ausruft, jetzt sei alles umsonst gewesen.

Das Ensemblestück entlarvt allerlei Doppelmoral und Unsicherheiten. Wanda und andere aus ihrem Umfeld wissen oft nicht, wie sie sich selbst positionieren sollen, ob Toleranz nicht Verrat an eigenen Überzeugungen bedeutet. Das Herz der Komödie ist die großartige Caroline Peters, der das Ensemble zuarbeitet. Simon Schwarz etwa muss nicht viel tun, um lustig zu sein, als ratlos-unbeholfen dreinzuschauen und unpassenden männlichen Egoismus zu formulieren. Die Komödie ist zwar heiter, aber sie macht einem auch bewusst, dass das Problem der Kluft und Sprachlosigkeit zwischen den konträren kulturellen Milieus ungelöst ist.

Fazit: Köstlich bissig nimmt die österreichische Komödie der Regisseurin Eva Spreitzhofer den Kulturschock einer emanzipierten Mutter aufs Korn, deren 16-jährige Tochter rebellisch zum Islam konvertiert. Die Jugendliche, die ihr Haar und ihren Körper verhüllt, reklamiert die weibliche Selbstbestimmung für sich auf eine Weise, die den Werten der Mutter völlig zuwiderläuft. Das heitere Ensemblespiel einer Wiener Patchworkfamilie und ihres Umfelds nimmt sowohl das Frauenbild des radikalen Islams aufs Korn, als auch die starken Ängste in der westlich geprägten Gesellschaft vor kultureller Überfremdung.




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