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Vom Lokführer, der die Liebe suchte...
Vom Lokführer, der die Liebe suchte...
© Neue Visionen

Kritik: Vom Lokführer, der die Liebe suchte... (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der deutsche Regisseur Veit Helmer ("Tuvalu", "Absurdistan") hat in der aserbaidschanischen Hauptstadt ein Viertel entdeckt, in dem die durchrauschenden Güterzüge die Häuser fast streifen. So wurde er zu seiner Komödie über einen Lokführer inspiriert, der im Vorbeifahren eine Frau in ihrer Wohnung sieht und sich fortan wünscht, sein Leben mit ihr zu teilen. Der Mann ist sich sicher, dass der BH, der sich in seiner Lok verfangen hat, ihr gehört. Wie einst Aschenputtels verlorener Schuh den Prinzen zur einzig richtigen Braut führte, will nun der Lokführer die Frauen des Vororts den BH anprobieren lassen, um die Liebe zu finden. So nimmt eine skurrile Komödie mit märchenhaft-poetischen Tönen ihren Anfang, die ganz ohne Worte auskommt.

Helmer bekam für das urige Viertel in Baku keine Drehgenehmigung. Also drehte er die Außenaufnahmen dort heimlich, kurz bevor die alten Häuser abgerissen wurden, um Platz für moderne Wohnblocks zu schaffen. Der Lokführer führt ein einsames Leben, er schläft entweder irgendwo auf der Strecke in einem Eisenbahnerwohnheim, oder in seinem Häuschen in einem abgelegenen Bergdorf. Das viele Reisen hat ihn zum Zaungast privaten Glücks gemacht. Doch dieser Mann kann auch stur sein – beharrlich klopft er an fremde Türen, hält Frauen den BH hin, prüft und schüttelt den Kopf, wenn er ihnen zu groß oder zu klein ist. Da können sie noch so schön oder anhänglich sein – er lässt sich nicht von seiner fixen romantischen Idee abbringen. Die Darsteller – unter ihnen die Spanierin Paz Vega, der Franzose Denis Lavant, die Russin Chulpan Khamatova – bilden eine international zusammengewürfelte Truppe, die sichtlich Spaß am wortlos-naiven Schauspiel hat.

Unerwartete Unterstützung bekommt der frisch pensionierte Lokführer von dem pfiffigen Waisenjungen, der im Vorort als Laufbursche, Handlanger und Außenseiter aufwächst. Die beiden hecken einen Streich aus, mit dem sie noch mehr Frauen zum Anprobieren des BHs bewegen können. Die Weichenstellerin im Bahnhof der Hauptstadt liebt es ihrerseits, den Lokführern kleine Streiche zu spielen. Der schelmische Grundton signalisiert, dass viele Menschen ihren Alltag auflockern und bunter machen wollen – so wie der Bahn-Bedienstete, der Musik aus Maschinenklängen und Musikinstrumenten komponiert. Mit den Charakteren, die sowohl pragmatisch, als auch witzig oder verträumt sein können, und den Impressionen aus Vorderasien ist für originelle Kinounterhaltung gesorgt.

Fazit: Regisseur Veit Helmer siedelt diese romantische Komödie, die ohne Worte auskommt, in Aserbaidschan an. Im Führerhaus seiner Lokomotive träumt der einsame Filmheld auf seinen Fahrten von der Liebe. In dem BH, der sich am letzten Arbeitstag in der Lok verfängt, sieht er ein Zeichen. Er muss die Frau finden, der er gehört! Die skurrile Geschichte mit den märchenhaften Zügen bietet charmante Kinounterhaltung.




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