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Die Frau des Nobelpreisträgers
Die Frau des Nobelpreisträgers
© SquareOne

Kritik: Die Frau des Nobelpreisträgers (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Drama, das der schwedische Regisseur Björn L. Runge inszeniert hat, kreist um die althergebrachten Ungerechtigkeiten im ehelichen und gesellschaftlichen Verhältnis der Geschlechter. Die Ehe des amerikanischen Paars Joe und Joan Castleman beruht seit Jahrzehnten auf der Übereinkunft, ihm den Vortritt zu lassen. Er ist der große Schriftsteller, der oft fremdgeht, sie ist die unterstützende Frau in seinem Heim, die ihm seelischen Halt gibt. Doch diese Rollenaufteilung beinhaltet in Wahrheit auch einen ganz besonderen Pakt, dessen Sprengkraft Joan erst zu spüren bekommt, als ihrem Mann der Literaturnobelpreis verliehen wird. Der auf dem 2003 erschienenen Roman "Die Ehefrau" von Meg Wolitzer basierende Film lebt vom irritierenden Zwiespalt der von Glenn Close gespielten Titelfigur.

Die Anzeichen, dass Joan unzufrieden ist, sind von Anfang an da. Als das Paar vor Freude über den Nobelpreis auf dem Bett springt, hat Joan plötzlich genug und geht ins Bad. Sie ist auch gar nicht gerührt, als ihr Joe bei der ersten kleinen Feier im Familien- und Bekanntenkreis als der Liebe seines Lebens dankt, ohne die er es nicht so weit gebracht hätte. Sie fordert von ihm unter vier Augen, dass er sie in Stockholm mit solchen Worten verschont, weil sie nicht bemitleidet werden will als diejenige, die ihr Leben in seinen Dienst gestellt hat. Doch Joe merkt, dass ihre Unzufriedenheit wächst und vergrößert den Riss in der Beziehung mit seiner Reaktion.

Es ist problematisch, dass sich der emotionale Zwiespalt, der dieser Ehe innewohnt, erst spät, in den Rückblenden auf das junge Paar der 1950er und 1960er Jahre, plausibel enthüllt. Die Schauspieler können sich zu wenig entfalten – vor allem Glenn Close wirkt verschlossen - und bieten dem Publikum nicht genügend Orientierung. Warum sollte eine Frau, der die Selbstbezogenheit ihres Mannes so auf die Nerven geht, so lange bei ihm ausharren? Und worin genau besteht ihre Liebe zu ihm?

Eine Rückblende zeigt die junge Joan – von Closes Tochter Annie Starke gespielt –, die in einem Verlag arbeitet und den Männern dort Kaffee serviert. Man hatte ihr wiederholt gesagt, die Zeiten seien schlecht für Schriftstellerinnen, aber dass sie – immerhin schon in den rebellischen 1960er Jahren – deshalb gar nicht mehr zu publizieren versucht, ist eben auch ihre Verantwortung. Das Ringen der alten Joan mit sich selbst kommt hier nicht genügend zur Geltung, und so wirkt das Drama zwar bemüht, aber auch allzu verhalten.

Fazit: Das auf dem Roman "Die Ehefrau" von Meg Wolitzer basierende Drama gerät unter der Regie des Schweden Björn L. Runge etwas zu verhalten. Glenn Close spielt die in eine Krise schlitternde Ehefrau des neuen Literaturnobelpreisträgers als verschlossene und innerlich zerrissene Figur. Es bleibt hauptsächlich den Rückblenden überlassen, das Geheimnis dieser Ehe zu lüften, die auf den großen Knall zusteuert. Wirkliche Sympathien können sich für die oft unschlüssig wirkenden Charaktere dieses Dramas nur schwer entwickeln.




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