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Die Geheimnisse des schönen Leo (2018)

The Secrets of Handsome Leo

Dokumentarfilm: Der CSU-Politiker Leo Wagner gehörte in den 1960er und 1970er Jahren dem Deutschen Bundestag an – und hatte hohe Schulden.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Leo Wagner wurde 1919 in München geboren. 1946 wurde er Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Günzburg, den er im Jahr zuvor mitbegründet hatte. Zwischen 1963 und 1975 war er als parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe tätig; er war ein enger Vertrauter des damaligen CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß.

In den 1970er Jahren wurde bekannt, dass Wagner sein Mandat missbraucht haben soll, um seine Schulden mithilfe von Krediten bezahlen zu können. Nach einer Selbstanzeige wegen Betrugsverdachts wurde er 1980 wegen Kreditbetrugs zu einer Haftstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Darüber hinaus entstand im Laufe der Jahre der Verdacht, dass Wagner neben Julius Steiner der zweite Unions-Abgeordnete gewesen sein soll, der sich 1972 beim Misstrauensvotum gegen Willy Brandt der Stimme enthalten hat und dafür von der Stasi Bestechungsgeld bekommen haben soll.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

In seinem Langfilmdebüt "Die Geheimnisse des Schönen Leo" befasst sich der 1987 in Benediktbeuern geborene HFF-München-Absolvent Benedikt Schwarzer mit dem öffentlichen und privaten Leben des CSU-Politikers Leo Wagner (1919-2006). Sein Werk, das 2018 auf dem Münchner DOK.fest seine Weltpremiere feierte, ist zum einen das Porträt eines schillernden Charakters – und zum anderen eine sehr persönliche Familiengeschichte, da es sich bei Wagner um Schwarzers Großvater mütterlicherseits handelt.

Durch einen alten CSU-Wahlwerbespot, in welchem Wagner auftritt, sowie weiteres Archivmaterial vermittelt der Regisseur gekonnt die Stimmung in einer politisch turbulenten Phase der sogenannten "Bonner Republik". Er zeigt die Machtkämpfte, die in den 1960er und 1970er Jahren im Deutschen Bundestag zwischen den Parteien ausgetragen wurden, und widmet sich dem ausschweifenden Lebensstil Wagners im Rotlicht-Milieu sowie den daraus resultierenden finanziellen Problemen. Schwarzers Recherche, die ihn bis nach Teneriffa führt, ist gründlich – und fördert interessante Dinge mit neuen Details zutage. Obschon etliche Weggefährten es ablehnten, über ihre Erfahrungen mit Wagner zu sprechen, konnte Schwarzer einige Personen ausfindig machen, deren Schilderungen das Werk bereichern – vom Kameraden aus dem Kriegsdienst über den Chauffeur bis hin zur Geliebten. "Die Geheimnisse des Schönen Leo" ist somit ein spannungsreicher investigativer Polit-Dokumentarfilm, der auch Wagners Rolle beim Misstrauensvotum gegen den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt sowie mögliche Geschäfte mit der Stasi beleuchtet.

Noch reizvoller ist Schwarzers Arbeit indes als familiäre Auseinandersetzung. "Die Geheimnisse des Schönen Leo" erweist sich letztlich als Annäherung des Filmemachers an die eigene Mutter. Wenn Ruth Schwarzer über ihre Kindheit und Jugend reflektiert, über ihr Verhältnis zur Mutter und zum oft abwesenden Vater, ist das überaus intensiv – und hat obendrein einen überraschenden Twist.

Fazit: Ein gut recherchiertes dokumentarisches Zeitstück – und zugleich eine einnehmende Beschäftigung mit der Familienbiografie des Regisseurs.




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Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Kinostart: 17.01.2019
Regie: Benedikt Schwarzer
Verleih: Real Fiction

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