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Hotel Auschwitz (2018)

Bitterböse Grenzerfahrung: In Cornelius Schwalms Kinoregiedebüt läuft eine Recherchereise aus dem Ruder.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.5 / 5

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Starregisseur Martin (Cornelius Schwalm) steckt mitten in den Proben zu "Die Ermittlung" (1965), Peter Weiss' Theaterstück über den ersten Frankfurter Auschwitzprozess. Mit dem Ergebnis unzufrieden unternimmt er mit seinen Darstellern Sabine (Franziska Petri) und Holger (Patrick von Blume) sowie Regieassistent Matti (Jörg Kleemann) eine Recherchereise nach Polen. Das hehre Ziel der Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der eigenen Arbeit weicht schnell persönlichen Banalitäten.

Matti und Bronski (Oliver Bigalke), der Fahrer der Reisegruppe, geraten mehrfach wegen Kleinigkeiten aneinander. Holger und Sabine halten ihre Affäre geheim, weil Martin ebenfalls ein Auge auf Sabine geworfen hat und alle Beteiligten darauf schielen, dem Regisseur an sein neues Engagement nach Hamburg zu folgen. Als die Gruppe mitten in die Dreharbeiten zum polnischen Trashfilm "The German Nightmare" stolpert und Martin dessen Hauptdarstellerin Goska (Katharina Bellena) vom Fleck weg für "Die Ermittlung" engagiert, eskaliert die Situation.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse2 / 5

Cornelius Schwalm ist als Regisseur kein Neuling. Der 1967 geborene Schauspieler führte bereits bei diversen Theaterstücken Regie. Gemeinsam mit seiner Kollegin Katharina Bellena, die die polnische Trashikone Goska verkörpert, hat Schwalm sein Debüt als Kinofilmregisseur auch produziert. Idee, Konzept und Drehbuch stammen ebenfalls aus seiner Feder. Dabei gestaltete er den Entstehungsprozess möglichst offen. Sein Ensemble arbeitet an der Figurenentwicklung mit und Erfahrungen, die die Crew vor Ort machte, flossen in den fertigen Film mit ein.

Dieser subjektive, experimentierfreudige, aber auch unfertige Charakter ist "Hotel Auschwitz" anzusehn. Birgit Möllers und Florian Lampersbergers Kamera wirkt beinahe dokumentarisch, viele Szenen scheinen improvisiert, nicht alle Dialoge sind rund, manche bemüht, ein wenig gestelzt. Dafür beweist Schwalm großes Geschick in der Schauspielerführung und ein gutes Gespür für (heikle) Situationen. Vor allem den Machtmissbrauch im Kulturbetrieb, um den es Schwalm neben der Vergangenheitsbewältigung geht, setzt er bei aller Offensichtlichkeit nuanciert in Szene.

"Hotel Auschwitz" ist ein schwarzhumoriges Drama, eine dunkle Tragikomödie über den Umgang mit deutscher Geschichte. Der Film entlarvt seine Figuren allesamt, jeden auf eine andere Weise, als gedankenlose Egoisten. Im Angesicht einer überlebensgroßen historischen Schuld werden deren (vermeintliche) Lebenskrisen lächerlich klein. Das (pseudo-)intellektuelle Gebaren dieser Vertreter der Hochkultur ist nicht mehr als Nabelschau.

Schwalms bitterböser Humor sitzt, allerdings vergisst er darüber, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Je länger sein Film dauert, desto mehr zerfasert er in kleine, nicht mehr schlüssig aufeinander aufbauende Episoden. Die Eskalation kommt viel zu abrupt. Und auch die Figuren kommen über ihren von Schwalm selbst so treffend beschriebenen Status als Prototypen nicht hinaus.

Fazit: "Hotel Auschwitz" ist ein bitterböses, schwarzhumoriges Drama über den Theaterbetrieb und die deutsche Vergangenheitsbewältigung. Die Komik des Debütanten Cornelius Schwalm sitzt, Figuren und Handlung wirken indes bis zuletzt unfertig.




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Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Tragikomödie
Länge: 75 Minuten
Kinostart: 17.01.2019
Regie: Cornelius Schwalm
Darsteller: Cornelius Schwalm, Franziska Petri, Patrick von Blume
Verleih: dejavu filmverleih

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