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Hotel Auschwitz
Hotel Auschwitz
© dejavu filmverleih

Kritik: Hotel Auschwitz (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Cornelius Schwalm ist als Regisseur kein Neuling. Der 1967 geborene Schauspieler führte bereits bei diversen Theaterstücken Regie. Gemeinsam mit seiner Kollegin Katharina Bellena, die die polnische Trashikone Goska verkörpert, hat Schwalm sein Debüt als Kinofilmregisseur auch produziert. Idee, Konzept und Drehbuch stammen ebenfalls aus seiner Feder. Dabei gestaltete er den Entstehungsprozess möglichst offen. Sein Ensemble arbeitet an der Figurenentwicklung mit und Erfahrungen, die die Crew vor Ort machte, flossen in den fertigen Film mit ein.

Dieser subjektive, experimentierfreudige, aber auch unfertige Charakter ist "Hotel Auschwitz" anzusehn. Birgit Möllers und Florian Lampersbergers Kamera wirkt beinahe dokumentarisch, viele Szenen scheinen improvisiert, nicht alle Dialoge sind rund, manche bemüht, ein wenig gestelzt. Dafür beweist Schwalm großes Geschick in der Schauspielerführung und ein gutes Gespür für (heikle) Situationen. Vor allem den Machtmissbrauch im Kulturbetrieb, um den es Schwalm neben der Vergangenheitsbewältigung geht, setzt er bei aller Offensichtlichkeit nuanciert in Szene.

"Hotel Auschwitz" ist ein schwarzhumoriges Drama, eine dunkle Tragikomödie über den Umgang mit deutscher Geschichte. Der Film entlarvt seine Figuren allesamt, jeden auf eine andere Weise, als gedankenlose Egoisten. Im Angesicht einer überlebensgroßen historischen Schuld werden deren (vermeintliche) Lebenskrisen lächerlich klein. Das (pseudo-)intellektuelle Gebaren dieser Vertreter der Hochkultur ist nicht mehr als Nabelschau.

Schwalms bitterböser Humor sitzt, allerdings vergisst er darüber, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Je länger sein Film dauert, desto mehr zerfasert er in kleine, nicht mehr schlüssig aufeinander aufbauende Episoden. Die Eskalation kommt viel zu abrupt. Und auch die Figuren kommen über ihren von Schwalm selbst so treffend beschriebenen Status als Prototypen nicht hinaus.

Fazit: "Hotel Auschwitz" ist ein bitterböses, schwarzhumoriges Drama über den Theaterbetrieb und die deutsche Vergangenheitsbewältigung. Die Komik des Debütanten Cornelius Schwalm sitzt, Figuren und Handlung wirken indes bis zuletzt unfertig.




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