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Generation Wealth
Generation Wealth
© barnsteiner-film © JIP Film und Verleih

Kritik: Generation Wealth (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Generation Wealth" feierte seine Premiere beim Sundance Filmfest 2018 und lief erstmalig in Europa in der Sektion Panorama Dokumente auf der letztjährigen Berlinale. Die Künstlerin, Dokufilmerin und Fotografin Greenfield wurde in den 90er-Jahren vor allem durch ihr Buch "Fast Forward: Aufwachsen im Schatten von Hollywood (1997)" bekannt. Darin untersuchte sie den frühen Verlust von Unschuld und Eigenständigkeit. Ihre Arbeiten als Fotografin erscheinen international in den renommiertesten und auflagenstärksten Publikationen, vom "New Yorker" über den "Guardian" bis hin zum "Spiegel", "People Magazine" und dem "National Geographic".

Beispielhaft zeigt der Film, welch abnorme Perversionen das Streben nach Überfluss mittlerweile erreicht hat. Und ebenso der Hang zur Perfektion, zu Jugendwahn und Schönheit. "Generation Wealth" liefert Einblicke in Operationssäle von Schönheitschirurgen in Brasilien, in denen Frauen jüngere und "perfekte" Versionen ihrer Selbst erschaffen lassen. Der Film zeigt Neureiche in Peking, die gemeinsam die richtige Aussprache von Luxusmarken einüben. Oder Menschen, die nicht davor zurückschrecken, ihre Hunde unters Messer zu legen, damit diese beim nächsten Schönheitswettbewerb bessere Chancen haben.

Ebenso ist die Bandbreite der für diesen Film interviewten Personen mannigfaltig und stellt die große Stärke der Doku dar. Die Interviewten geben sich freimütig und offen, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass Greenfield ihre Gesprächspartner mitunter viele Jahre persönlich kennt. Einige von ihnen traf sie, als die Protagonisten gerade ihren Karrierehöhepunkt erreicht hatten, darunter einen ehemaligen Rapper. Oder als sie innerhalb kürzester Zeit zu unfassbarem Reichtum gelangt waren. Wie etwa den vom FBI gesuchten Investment-Banker Florian Homm, der auf dem "Zenit" über ein Vermögen von 800 Millionen Dollar verfügte. Daneben spricht Greenfield u.a. mit Cathy Grant, die sich für eine Schönheits-OP hoch verschuldete oder einer Mutter, die ihre Tochter zur Teilnahme an Schönheits- und Miss-Wettbewerben zwang.

Die meisten von ihnen zeigen sich mittlerweile geläutert und viele bereuen ihr früheres Leben. Die Frage ist nur: Wie ehrlich meinen sie es? Wenn Homm etwa äußert, dass er sich mit allem Geld der Welt niemals ein Lächeln auf dem Gesicht seiner Kinder kaufen könnte, stellt sich die Frage nach der Authentizität dieser wenig glaubwürdigen, pathetischen Aussage. Zumal unklar ist, wieso ein gerissener Harvardabsolvent erst nach so vielen Jahren auf diese, nicht gerade erhellende Erkenntnis kommt. Dasselbe ungute Gefühl hat man bei vielen anderen Äußerungen im Film. Zum Beispiel wenn einer der Befragten empfiehlt, so viel Zeit wie möglich mit den Menschen zu verbringen, die man liebt. Das sei wichtiger als jeglicher Reichtum und Luxus in der Welt. Auch diese Schlussfolgerung ist wahrlich nicht neu.

Und freilich trägt es ebenso wenig zur Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit bei, wenn Greenfield ihre eigenen Kinder über die Arbeit der Mutter sowie das Kernthema des Films, die Verrohung unserer Gesellschaft, befragt. Ein fader Beigeschmack bleibt, wenn klar wird, wer den Film produziert hat: die Amazon Studios. Ausgerechnet Amazon, jenes Unternehmen, dessen Boss Jeff Bezos der reichste Mensch der Welt ist. Letztlich bleibt die Frage, wie glaubhaft ein Film ist, der sich eigentlich kritisch mit Aspekten wie Luxus, Materialismus und Geld zu befassen versucht. Der gleichzeitig aber mit den Mitteln eines Unternehmens entstand, dass wie kein zweites stellvertretend für eine materialistische Gesellschaft und Massenkonsum steht.

Fazit: "Generation Wealth" bringt einige spannende Beispiele, wie weit die Verrohung unserer Gesellschaft vorangeschritten ist und verfügt über sich freimütig äußernde Protagonisten. Letztlich aber lässt der Film einen erhellenden Erkenntnisgewinn ebenso vermissen wie Objektivität und Sachlichkeit.




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