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Ab heute sind wir ehrlich
Ab heute sind wir ehrlich
© Kairos Film

Kritik: Ab heute sind wir ehrlich (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Salvatore Ficarra und Valentino Picone gehen ihre Karriere im Gleichschritt. Die 1971 in Palermo geborenen Sizilianer sind sie seit 1993 als Komiker unterwegs; zunächst als Trio mit Salvatore Borrello, seit 1998 als Duo unter ihren Nachnamen. Als "Ficarra e Picone" haben sie seither in zehn Kinofilmen Seite an Seite gespielt, in fünf davon selbst Regie geführt und das Drehbuch geschrieben. "Ab heute sind wir ehrlich" ist ihr bis dato umsatzstärkster Film, vielleicht ja, weil er den Nagel (nicht nur) italienischer Politikverdrossenheit auf den Kopf trifft.

In ihrer jüngsten Zusammenarbeit ticken die Uhren vorübergehend anders. Pierpaolo Natolis (Vincenzo Amato) Wahl zum Bürgermeister fällt in die Sommerzeit, die in Italien ora legale heißt und der Komödie im Original ihren doppeldeutigen Namen gibt. Der Titel ließe sich wörtlich auch mit gesetzlicher, rechtmäßiger Zeit übersetzen. Als Salvo (Ficarra) und Valentino (Picone) in ihrem kleinem Straßencafé an den Zeigern schrauben, kehrt Ordnung ein. Mit der Rückkehr zur Winterzeit werden nicht nur die Uhren, sondern auch das politische System wieder zurückgedreht.

Schon die Grundidee wechselwilliger Wähler, die mit dem Wandel nicht klarkommen, weil sie ihren Politikern ähnlicher sind, als ihnen lieb sein mag, ist köstlich. Gemeinsam mit ihren Kodrehbuchautoren Edoardo De Angelis, Nicola Guaglianone und Farbrizio Testini haben Ficarra und Picone eine kurzweilige Sommerkomödie daraus gemacht. Der Film lebt von seiner Situationskomik, die sich aus einer Überforderung der Figuren speist. Für deutsche Augen muten die weinenden Verkehrspolizisten, die überforderten Mülltrenner und protestierenden Schlangesteher herrlich absurd an. Nicht wenige Zuschauer hierzulande dürften gemeinsam mit der laxen (italienischen) Politik auch die (deutsche oder europäische) Überregulierungssucht verlachen, die Natolis neue Ordnung impliziert.

"Ab heute sind wir ehrlich" ist eine Gesellschaftssatire, in der die Gräben mitten durch die Familie(n) verlaufen. Das Regieduo nimmt nicht nur das Fremdbild, sondern auch das Selbstbild vieler Italiener augenzwinkernd auf die Schippe. Das ist zwar nicht immer feinsinnig, aber stets liebevoll und dank des tollen Ensembles, in dem sich Ficarra als Faxenmacher und Picone als Besonnener bewusst zurücknehmen, viel überzeugender als die thematisch vergleichbare italienische Erfolgskomödie "Der Vollposten" (2016). Unter all den Klischees, über die die Geschichte zu Carlo Crivellis tänzelnder Musik ebenso leichtfüßig hinwegtänzelt, steckt ein Fünkchen Wahrheit, das den Wählern weitaus weniger gefallen dürfte als den Politikern.

Fazit: "Ab heute sind wie ehrlich" ist eine ebenso kurzweilige wie leichtfüßige Komödie über korrupte Politiker und kaputte Systeme, vor allem aber über träge Wähler, die zwar ständig etwas Neues fordern, im Grunde aber wollen, dass alles beim Alten bleibt.




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