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Kritik: Mid90s (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Mid90s" ist das Filmregie-Debüt des Schauspielers Jonah Hill ("21 Jump Street", "The Wolf of Wall Street"), der auch das Drehbuch verfasste. Er erzählt darin vom Erwachsenwerden – und siedelt die Geschichte in der eigenen Geburtsstadt sowie in jener Dekade an, in welcher er selbst ein Jugendlicher war. Sein Werk ist jedoch keine Autobiografie, sondern ein äußerst authentisch wirkendes Zeitstück mit vielschichtigem Personal und originellen Bildern.

Das schwierige, zum Teil extrem brutale Verhältnis zwischen dem adoleszenten Protagonisten Stevie und dessen Bruder Ian wird ebenso komplex gezeichnet wie die ambivalente Rolle der alleinerziehenden Mutter, die von Katherine Waterston ("Inherent Vice") sehr überzeugend verkörpert wird. In der Schilderung der zwischenmenschlichen Beziehungen geht es Hill nicht darum, alles bis ins Einzelne zu erklären; vieles deutet sich nur an. Wenn Stevie Freundschaft mit der vierköpfigen Skater-Clique schließt, muten die Gespräche und Gesten der Jungs echt an. Die Dynamik in der Teenager-Gruppe wird mit all ihren Spannungen und Gefahren, aber auch ihrer nicht zu unterschätzenden Kraft treffend vermittelt. Der Film zeigt, wie wichtig es gerade für einen jungen Menschen ist, von seinem Umfeld anerkannt zu werden – und dass es stets gewisse Regeln gibt, die innerhalb einer Szene (wie in diesem Fall der Skateboarding-Szene) herrschen.

"Mid90s" erinnert an Larry Clarks "Kids" (1995), blickt allerdings mit weitaus mehr Empathie auf seine Figuren. Die 16mm-Aufnahmen des Kameramanns Christopher Blauvelt sowie der stimmige Soundtrack und das sorgfältige Produktions- und Kostümdesign ergeben ein einnehmendes Kino-Erlebnis, das zudem mit Sunny Suljic ("The Killing of a Sacred Deer") über einen bemerkenswerten Hauptdarsteller verfügt. Hill und sein Team schaffen es, die 1990er Jahre ohne Nostalgie zum Leben zu erwecken und zugleich ein Reifedrama zu präsentieren, das ganz unabhängig von Zeit und Raum funktioniert.

Fazit: Eine rundum glaubwürdige Coming-of-Age-Erzählung – gekonnt inszeniert und mit interessanten, gut gespielten Figuren ausgestattet.




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