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Spreeland Fontane
Spreeland Fontane
© Krokodil Distribution

Kritik: Spreeland Fontane (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine Schottlandreise hatte Theodor Fontane in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Idee gebracht, auch die Mark Brandenburg als Tourist zu erkunden. Er wollte über die Schönheit der Gegend berichten, um "das Vorurteil von Armut und Elendigkeit zu bekämpfen", das offenbar auf dem Landstrich lastete. So liest es die Sprecherin Judica Albrecht am Ende des Dokumentarfilms "Spreeland Fontane" vor. Alle Worte des Films stammen aus Fontanes Reisereportagen.

Den rezitierten literarischen Texten stellt der Regisseur Bernhard Sallmann Aufnahmen von heute aus der bereisten Region gegenüber. Diese Klammer zwischen Worten aus der Vergangenheit und der Gegenwart im Bild ist das Prinzip seiner kontemplativen filmischen Tetralogie zu Fontanes mehrbändigen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Der Film über das Spreeland ist der dritte, nach "Oderland Fontane" von 2016 und "Rhinland Fontane" von 2017. Im Herbst 2019 soll dann noch "Havelland Fontane" folgen.

In langen Einstellungen ruht die Kamera auf Flussläufen und blickt über Seen ans jenseitige Ufer. Das bei Fontane erwähnte Schloss Köpenick gehört nun zum Stadtgebiet von Berlin, der Schriftsteller kannte weder das heutige Biosphärenreservat Spreewald, noch so manche landschaftliche Veränderung, die der Braunkohlebergbau mit sich brachte. Menschen sieht man so gut wie nirgends, aber manchmal fahren im Hintergrund Autos vorbei. Auch die Windräder, die Brücken, die Kähne, die Plastikplanen auf einem Acker zeugen von menschlicher Präsenz.

Ist von der Bienenzucht in Kienbaum die Rede, nimmt die Kamera blühende alte Akazienbäume ins Visier, wird ein Spreewalddorf erwähnt, ist ein Flusslauf im Wald zu sehen, die Vögel singen. Allenfalls Ortskundige und historisch Bewanderte könnten an vielen Stellen erkennen, inwieweit sich Text und Bild auf den gleichen Schauplatz beziehen. Zumindest gilt das für die Aufnahmen, die keine Schlossgärten, Parks und schmuck renovierten historischen Gebäude zeigen, sondern Naturlandschaften.

Die Bilder sind zu verschiedenen Jahreszeiten aufgenommen, mal sind die Birken kahl, mal sprießt das zarte Grün des Frühlings. Ein besonderer Genuss sind die Laute verschiedener unsichtbarer Tiere, ein Froschkonzert oder jäh einsetzendes Gänsegeschrei. Dabei aber ist das Hauptmerkmal von Sallmanns Bildern die Ruhe, die sinnliche Eindrücke ermöglicht und die Vorstellung auf Reisen schickt – hin zu den vorgelesenen Textpassagen.

Fazit: Im dritten Dokumentarfilm der Tetralogie von Regisseur Bernhard Sallmann zu Theodor Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" werden Textpassagen aus dem Band "Spreeland" heutigen Aufnahmen aus der Region gegenübergestellt. In den langen Einstellungen entfaltet sich der sinnliche Reiz der verträumten Fluss- und Seenlandschaft, ohne die Aufmerksamkeit des Betrachters von Fontanes vielfältigen Reiseeindrücken abzuziehen. So entsteht ein kontemplatives und tiefgründiges Porträt eines traditionsreichen Kulturraums, das zu individuellen Assoziationen anregt.




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