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Kritik: Gelobt sei Gott (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der auf der Berlinale 2019 mit dem Silbernen Bären für die beste Regie prämierte französische Meisterregisseur François Ozon ("8 Frauen") verhandelt mit seinem bereits siebten Film in diesem Jahrzehnt die unentschuldbaren Versäumnisse der katholischen Kirche. Der 51-jährige Pariser wurde im Jahr 2000 mit seinem Drama "Unter dem Sand" bekannt.

Geduld und Ausdauer muss man als Zuschauer bei Ozons einfühlsam und feinsinnig aber genauso akkurat und kraftvoll erzähltem Film aufbringen. Doch die 135 Minuten sind unbedingt lohnenswert und verdeutlichen abermals das große Vergehen der katholischen Kirche und ihrer verantwortlichen Würdenträger im Zusammenhang mit all den Missbrauchsfällen, die in den letzten Jahren ans Licht der Öffentlichkeit gelangten: Das beständige Ignorieren und Kleinreden der Gräueltaten, das Wegsehen und die nicht zu entschuldigende Tatenlosigkeit.

All das klagt Ozon in seinem erlesen besetzten Drama an und lässt die drei männlichen Hauptfiguren stellvertretend für die vielmals stummen, unschuldigen und wehrlosen Opfer der katholischen Geistlichen überall auf der Welt auftreten. Spannend mit anzusehen ist die Art und Weise wie Alexandre, François und Gilles die Erinnerungen an die tragischen Ereignisse völlig unterschiedlich und individuell erleben. Und: ihren ganz eigenen (emotionalen) Umgang mit dem Missbrauch pflegen.

Hier offenbaren sich die Komplexität der menschlichen Psyche sowie die Tatsache, dass ein und dasselbe grausame Erlebnis in differierenden Verhaltensweisen und Verarbeitungsmechanismen münden kann. Ein Lob gebührt Ozon darüber hinaus, da er nicht nur die generelle Verantwortungslosig- und Uneinsichtigkeit der Kardinäle und anderer Entscheider an den Pranger stellt sondern ebenso das Wegschauen der Familienangehörigen thematisiert. So will zum Beispiel Alexandres Mutter bis zuletzt nichts von dem Missbrauch hören und stellt sich gar auf die Seite des Täters wenn sie die Frage in den Raum wirft, wieso man den Priester denn nach all den Jahren mit diesen alten, verjährten Geschichten belästigen müsse.

Fazit: Brillant gespieltes, erschütterndes Drama über den bedingungslosen Kampf um Gerechtigkeit und Aufarbeitung, der die institutionelle Vertuschung sowie Leugnung der Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche schildert.




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