VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
So wie Du mich willst
So wie Du mich willst
© Alamode Film

Kritik: So wie Du mich willst (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das vom Regisseur Safy Nebbou ("Der Hals der Giraffe") inszenierte Liebesdrama lebt ganz vom Charme der Hauptdarstellerin Juliette Binoche und wartet mit verblüffenden Wendungen auf. Die Geschichte, in der sich die alternde Claire eine virtuelle Verjüngungskur verpasst, um ihrem romantischen Glück auf die Sprünge zu helfen, basiert auf dem Roman "Celle que vous croyez" von Camille Laurens. Sie vertieft sich auf reizvolle Weise in die Sehnsucht nach ewiger Attraktivität und Jugend, deren Schwinden vor allem von Frauen einen hohen seelischen Preis fordert.

Juliette Binoche spielt nicht zum ersten Mal eine Frau, die damit konfrontiert wird, dass sich ihr Alter nachteilig auf ihre soziale Rolle auswirkt. In Olivier Assayas‘ "Die Wolken von Sils Maria" ging es um die berufliche Entfremdung einer in die Jahre kommenden Schauspielerin, in "Meine schöne innere Sonne" von Claire Denis stellte sie eine Frau dar, die leidet, weil sie mit Männern keine glückliche Partnerschaft mehr eingehen kann. Unter der Regie von Safy Nebbou kommt Binoches schelmisches, unternehmungslustiges Lächeln wunderbar zur Geltung. In den Gesprächen Claires mit ihrer Therapeutin blitzt es regelmäßig auf und wird zum Motor der ganzen Handlung. Claire kann auch grau und bedrückt aussehen, aber, beschwingt von der Liebe, fängt sie an zu strahlen und lässt die Zuschauer fragen, warum eine Frau wie sie überhaupt auf die Idee kommt, sich hinter der Fotografie einer jüngeren zu verstecken. Claire fühlt sich aber geradezu verzweifelt darauf angewiesen, begehrt zu werden, auch von jungen Männern, die ihr wahrscheinlich bald Grund zur Eifersucht geben – dieses Lebenselixier mündet in einen Teufelskreis.

Die sozialen Medien, die das Spiel mit veränderten Identitäten ermöglichen, sind für Claire eine Chance, die sich auch jederzeit als Irrweg erweisen kann. Wenn aber der Fantasie, ohne die es kein Selbstvertrauen gibt, einmal freier Lauf gelassen wird, hat sie womöglich die Kraft, die Realität zu verändern. Der Film überrascht mit alternativen Varianten der Geschichte. Einen besonderen Reiz stellt Claires Beziehung zur Therapeutin Catherine dar. Es ist großartig, wie Nicole Garcia diese Frau spielt, die hinter ihrer professionellen Zurückhaltung für Claires Abenteuer entbrennt. Die Zuschauer erwartet spannendes, hervorragend gespieltes Arthouse-Kino.

Fazit: Juliette Binoche glänzt in diesem romantischen Drama als 50-jährige Frau, die sich eine virtuelle Verjüngungskur verpasst. Beschwingt vom Flirten im Internet und am Telefon mit einem Mann, der ihr Sohn sein könnte, blüht sie auf und entdeckt die Farben des Lebens neu. Unter der Regie von Safy Nebbou lotet die spannende Geschichte mit ihren alternativen Verläufen aus, wie wichtig das Gefühl, begehrt zu werden, für das Selbstwertgefühl einer Frau sein kann. Der Arthouse-Film bezieht seinen besonderen Reiz aus der nicht immer glücklichen Wechselwirkung von Vorstellung und Realität, die der kreative Gebrauch sozialer Medien nach sich zieht.









Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.