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Kritik: The Climb (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die beiden Hauptdarsteller des Films, Michael Angelo Covino und Kyle Marvin, erwiesen sich ebenso hinter der Kamera als die kreativen, ausführenden Köpfe. Während Covino den Film inszenierte, schrieb er gemeinsam mit Marvin auch das Drehbuch. Im Film tragen sie ihre echten Namen und spielen sich gewissermaßen selbst. Weltpremiere feierte "The Climb" im Frühjahr 2019 bei den Filmfestspielen von Cannes, wenige Wochen später wurde er auf dem Filmfest München präsentiert.

"The Climb" ist vor allem ein Film über eine regelrecht toxische aber dennoch tiefe Freundschaft, in deren Mittelpunkt zwei gänzlich unterschiedliche Charaktere stehen. Da ist der draufgängerische, etwas selbstverliebte Mike – er ist der sportliche, attraktivere der Beiden. Eine Familie oder gute Freunde (bis auf Kyle) hat er jedoch nicht. Auf der anderen Seite Kyle, der zuallererst immer an andere denkt, selbstlos und hilfsbereit ist. Er kommt aus geordneten Verhältnissen und hat eine Familie, auf die er sich verlassen kann. Seine Familie wurde im Laufe der Jahre zu einer Ersatzfamilie für Mike.

Die Unterschiedlichkeit und Diversität der Zwei manifestiert sich ganz wunderbar auf dem im Hinterland der Côte d’Azur befindlichen Anstieg, den sie bewältigen müssen. Für Mike ist dieser kein Problem. Der wenig sportliche, untrainierte Kyle hingegen hat Probleme hinterherzukommen. Ein wenig fungiert diese Metapher gleichsam als Entsprechung für die jahrelange Freundschaft, das beständige Auf und Ab in ihrer Beziehung. Sehr oft gab es Situationen im Leben, in denen Mike seinem besten Kumpel entwischte, im gewissermaßen "davonfuhr" und Kyle nicht mithalten konnte. Etwa beim Thema Frauen.

In insgesamt acht Kapiteln erzählt der Film mal heiter und beschwingt, mal melancholisch und tragisch von jener (stets bewegenden) Freundschaft. Mit Feingefühl und einem exakten Gespür für subtile Zwischentöne lotet er auf wunderbare Weise Themen wie Freundschaft, Vertrauen, Liebe, Enttäuschung und Familie aus. In einer der schönsten, aber auch tragikomischsten Szenen wird die Familie von Kyle später im Film noch eine ganz zentrale Rolle spielen. Sie kümmert sich um den einsamen, verbitterten Mike ("Wir waren seine einzige Familie. Er hat niemanden mehr"), muss jedoch zugleich mit dessen unkalkulierbaren Stimmungsschwankungen und unausgeglichenem Gemüt zurechtkommen.

Fazit: Ein Film wie das echte Leben: Es geht hoch und runter, verläuft mal glücklich und mal tragisch. "The Climb" erzählt dabei nie zu seicht oder vorhersehbar, sondern stets locker-leicht und augenzwinkernd von einer ganz besonderen Männerfreundschaft.




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