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Kritik: Hot Air (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Diese unterhaltsame Dramödie nimmt sich eines sehr aktuellen Themas an, das nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland an Bedeutung gewinnt. In der Gesellschaft vertieft sich der Graben zwischen Anhängern des linksliberalen und des konservativen bis rechtskonservativen Spektrums. Zwischen den politischen Lagern herrscht zunehmend Sprachlosigkeit. Der New Yorker Radiomoderator Lionel wettert gegen illegale Einwanderer, soziale Einrichtungen und Hilfen für Bedürftige. Er kommt bei seinen Fans gut an, wenn er ähnlich polarisierend wie Präsident Trump vom Leder zieht. Doch nun bekommt er Gegenwind von seiner eigenen Nichte, die auch nicht auf den Mund gefallen ist.

Drehbuchautor Will Reichel und Regisseur Frank Coraci ("Der Zoowärter") greifen ein bewährtes Rezept des Mainstreamkinos auf. Darin wird ein engstirniger, reicher weißer Mann, der sich zunehmend selbst isoliert, mit einem bislang unbekannten, minderjährigen Familienmitglied konfrontiert, das ihn aus der Reserve lockt. Seit "Der kleine Lord" verspricht das Thema solide Unterhaltung. Tess, die Tochter eines Schwarzen, zieht nun also in Lionels Nobelwohnung in New York. Ihr Onkel erkennt bald unausgesprochen und uneingestanden, dass ihm das neue Familienleben sogar Spaß macht. Ein unbeschwerter Ausflug ans Meer, den Lionel, seine Freundin und Tess im Cabrio unternehmen, schmiedet das Trio zumindest für ein paar Stunden zusammen. Hinter Lionels Panzer der Unnachgiebigkeit und seinem Image des Selfmademans verbirgt sich eine verwundete Seele. Wegen Tess kommen Erinnerungen an seine schwierige Kindheit und die komplizierte Beziehung zu seiner Schwester hoch.

Steve Coogan kann als Lionel sowohl den Unsympathen und Großkotz markieren, als auch einen Mann, dessen Lächeln verrät, wie viel Herz er besitzt. Taylor Russell spielt Tess als intelligentes Mädchen, das den Onkel unbestechlich kritisiert, ohne ihn fertigmachen zu wollen. So wird sie für ihn zum Vorbild. Eine sympathische Vermittlerrolle spielt Neve Campbell als Lionels gutherzige Freundin Valerie. Die Geschichte pflegt oft einen humorvollen Ton, den sie in den Dienst einer klaren Botschaft stellt: Nicht nur zwischen Familienmitgliedern, auch zwischen gesellschaftlichen Gruppen, die gegensätzliche Meinungen vertreten, darf das Gespräch nicht abreißen.

Fazit: Wenn sich ein verknöcherter Egoist plötzlich um ein minderjähriges Familienmitglied kümmern muss, von dessen Existenz er nichts wusste, darf sich das Publikum auf Kinounterhaltung nach bewährtem Muster freuen. Diese reizvolle Dramödie von Regisseur Frank Coraci würzt Mainstreamkost mit einer aktuellen Botschaft. Ein Radiomoderator des konservativen Lagers erhält unerwartet Besuch von seiner 16-jährigen Nichte, die ihn heftig wegen seines zynischen, polarisierenden Gesprächsstils kritisiert. Die Wortgefechte zeigen auf amüsante Weise, dass die Kunst des Debattierens anstrengend, aber wichtig ist, gerade in Zeiten sich verhärtender politischer Fronten.




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