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Kritik: After the Wedding (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Menschen ändern sich, aber die Vergangenheit lebt in ihren Entscheidungen oft stärker fort, als ihnen bewusst ist. Die sozial engagierte Isabel geht ganz in ihrer Arbeit für indische Waisenkinder auf. Als sie nach New York zurückkehren muss, um Spendengelder zu rekrutieren, ist sie vom Luxus, der die Unternehmerin und Wohltäterin Theresa umgibt, regelrecht angewidert. Doch zu ihrer großen Überraschung verbindet sie mit Theresa und ihrem Leben mehr, als sie ahnte. Theresa weiß, wie wichtig Isabel das Wohlergehen der indischen Waisenkinder ist. Die Bedingungen, die sie an ihre Spende knüpft, würden Isabels Leben aber eine völlig neue Richtung geben.

Der amerikanische Regisseur Bart Freundlich ("Das Familiengeheimnis") hat sich an ein Remake des Dramas "Nach der Hochzeit" der dänischen Filmemacherin Susanne Bier aus dem Jahr 2006 gewagt. Freundlich ist der Ehemann der Schauspielerin Julianne Moore, die die Rolle der Theresa spielt und auch als Produzentin des Films fungiert. Wahrscheinlich gibt es nicht genügend amerikanische Originaldrehbücher mit anspruchsvollen Rollen für Schauspielerinnen über 50. So ist Moore ja auch in der Titelrolle des Remakes "Gloria: Das Leben wartet nicht" zu sehen. Aber "After the Wedding" erweist sich leider nur als ein weiteres Remake, das die Welt nicht braucht. Da nützt es auch nicht viel, dass in dieser Neuverfilmung Isabel und Theresa an die Stelle der beiden ursprünglich männlichen Hauptcharaktere treten.

Als Idealistin leidet Isabel sichtlich unter der Ungerechtigkeit der Welt. Ihre Schützlinge in Indien müssen so viel entbehren und in New York erlebt sie, wie sich Theresa ereifert, weil es einen Engpass bei der Hummer-Lieferung für das Hochzeitsmahl gibt. Doch Idealismus und Reichtum entpuppen sich rasch als oberflächliche Kategorien, die die Menschen in dieser Geschichte nicht so gut erfassen wie ihre privaten Beziehungen und Bindungen. Mit der zunehmenden Vertiefung der Gefühlsebene aber haben Regie und Schauspieler erkennbar Probleme. Da geht es um existenzielle Fragen und Theresa gibt praktisch nur einmal zu erkennen, dass sie nicht nur Strippenzieherin, sondern auch emotional betroffen ist. Michelle Williams spielt Isabel wortkarg und recht verschlossen. Enttäuschend fehlbesetzt aber wirkt Billy Crudup als der gutaussehende Oscar, dem man den Beruf des bildenden Künstlers und die Rolle des liebenden Ehemannes nur schwer glauben mag.

Fazit: Das amerikanische Remake des Dramas "Nach der Hochzeit" von Susanne Bier gerät unter der Regie von Bart Freundlich enttäuschend flach. Zwar sind aus den beiden zentralen Männerfiguren des Originals von Michelle Williams und Julianne Moore gespielte Frauencharaktere geworden. Aber die komplizierte Familiengeschichte, die eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen verschiedenen Formen menschlicher Verantwortung und Liebe schlägt, wirkt unglaubwürdig. Denn gerade auf der zentralen Ebene der Gefühle üben sich die Charaktere in vornehmer Zurückhaltung.




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