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Kritik: Weitermachen Sanssouci (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Regisseur Max Linz kennt den Berliner Universitätsbetrieb, als ehemaliger Student und Lehrbeauftragter gleichermaßen. Hier legt er nun eine satirische Komödie über den alltäglichen Wahnsinn in der modernen, vermeintlich unabhängigen universitären Lehre und Forschung vor. Die Zeiten, in denen Grundlagen- und auch allerlei schöngeistige Forschung einfach um der Wahrheit willen, wie Phoebe es einmal formuliert, betrieben wurde, scheinen vorbei zu sein.

Heute sind die Universitäten scharf auf Drittmittel, sie holen sich finanzstarke Partner aus der Wirtschaft ins Boot, was nicht ohne Einfluss auf die Forschungsinhalte bleibt. Problematisch ist auch der Trend zur pausenlosen Optimierung, zur dauernden Evaluation aller Schritte. Phoebes Coach, die Unternehmensberaterin, hält Forschung nur für berechtigt, wenn sie jemandem nützt.

Am Tag der Evaluation scheint alles schiefzugehen, Brenda und ihren Mitarbeitern weht buchstäblich ein scharfer Wind entgegen und sie wälzen sich auf dem Boden beim Versuch, standzuhalten. In solchen Szenen ähnelt der Film einer Bühnenaufführung. Manchmal brechen die Studenten in Gesang aus, und oft hat die Handlung den Boden der Realität schon längst persiflierend verlassen.

Die Verwirrung des Publikums, nicht recht zu verstehen, worüber diese Forscher überhaupt reden, ist beabsichtigt. Brenda wundert sich, dass gut ausgebildete Kräfte wie Phoebe nicht aufmucken gegen die Zustände, aber wer um seinen Job bangt und seine Karriere, ist in einer Zwickmühle. Auch die Studenten sind nur allzu rasch bereit, den Protest wieder abzubrechen, als ihnen Konsequenzen angedroht werden.

Linz vergleicht die Situation mit dem Jüngsten Gericht. Wer in die Hölle kommt und wer aufsteigt in den Himmel, wie auf dem gleichnamigen Gemälde von Hans Memling, darüber entscheidet die Evaluation. Linz stellt dem Wunsch der Charaktere nach einem sorglosen Leben – wofür das Wort Sanssouci im Titel steht – Herbert Marcuses Grabspruch "Weitermachen" gegenüber, also der rebellische, von Hindernissen unbeirrte Geist eines Vertreters der Kritischen Theorie und Idols der 1968er Generation. Wegen seiner Dialoglastigkeit und seiner intellektuellen Färbung erinnert der Film ein wenig an Irene von Albertis "Der lange Sommer der Theorie". Man hätte ihm gewünscht, dass er auch deutlicher Position bezieht und ein Stück weit das ernsthafte Interesse an Inhalten besitzt, das Irene von Albertis Film auszeichnet.

Fazit: Der Spielfilm von Regisseur Max Linz nimmt den modernen universitären Betrieb satirisch unter die Lupe. Institute, die um Drittmittel kämpfen, Nachwuchsforscher, die um eine günstige Beurteilung ringen, ein vom Forschungsinhalt zur Selbstdarstellung verschobenes Interesse sind gang und gäbe. Der ganz alltägliche Wahnsinn an der Uni wird mit Freude am freien Spiel der Gedanken und Ideen geschildert. Dabei mutet der Film stellenweise wie eine Bühnenperformance an, aber was ein Theaterpublikum schätzt, kann im Kino schnell überdreht wirken.







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