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Der Göttliche Andere
Der Göttliche Andere
© Warner Bros.

Kritik: Der Göttliche Andere (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Der göttliche Andere" ist der neunte Film des Aachener Regisseurs Jan Schomburg, der vor allem für sein Drehbuch für den Film "Vor der Morgenröte" über die letzten Lebensjahre von Schriftsteller Stefan Zweig bekannt. Zuvor inszenierte er solche unterschiedliche, auf internationalen Festivals präsentierte Werke wie "Über uns das All" oder "Vergiss mein Ich". Der im Sommer 2019 in Rom und Köln gedrehte "Der göttliche Andere" verfügt mit Callum Turner über einen aktuell sehr gefragten Jung-Darsteller, der in internationalen Produktionen wie "Emma" oder "Phantastische Tierwesen 2" für Furore sorgte.

Liebe, religiöser Glaube und die eine schicksalhafte Begegnung im Leben – das sind die Themen, die Schomburg in seiner mit schrägem Humor angereicherten, leicht verdaulichen Rom-Com verhandelt. Das gelingt ihm über weite Strecken leichtfüßig und auf sehr charmante Weise, wenn sich Gregory mit keinem geringeren als dem lieben Gott höchstpersönlich anlegt.

Immer wieder laden die vielen unwahrscheinlichen Zufälle und kleinen Unglücke zum Schmunzeln ein. Sie sorgen letztlich dafür, dass sich Gregory und Maria nie wirklich nahe kommen: vom unerwarteten Feuer in der Disko kurz vor dem ersten Kuss bis hin zu Gregorys plötzlichem Verlust der eigenen (englischen) Sprache, wenn er Maria seine Liebe gestehen möchte – ihm dies plötzlich aber nur noch in kaum verständlichem Finnisch möglich ist. Überhaupt wird Gregory nicht gerade vom Glück verfolgt. Er verliert seine Bleibe, landet im Knast, wird ausgeraubt und findet sich schließlich auch noch im Krankenhaus wieder. Über weite Strecken funktioniert das Zusammenspiel zwischen den beiden Hauptdarstellern ausgelassen und gut.

Letztlich liegt es nicht an ihnen, dass "Der göttliche Andere" insgesamt dann doch nicht übers Mittelmaß hinauskommt, denn dem Drehbuch wird leider weit weniger Beachtung geschenkt als den komödiantischen Einlagen und unglücklichen Zwischenfällen. Oder wie wahrscheinlich ist es, dass sich eine tief religiöse Frau, die fest entschlossen ist ins Kloster zu gehen, in einen derart überheblichen, arroganten und zynischen Kotzbrocken wie Gregory verliebt? Des weitern fallen einige abgedroschene (Rom-Com)-Klischees negativ ins Auge. Vom schwulen besten Freund bis hin zu den altbekannten, wenig überraschenden Touri-Aufnahmen vom sonnendurchfluteten Rom – vieles hat man doch irgendwann irgendwo schon einmal gesehen.

Fazit: Locker-leichte, anspruchslose aber kurzweilige Sommer-Komödie mit einem gut eingespielten Hauptdarsteller-Gespann und vielen amüsanten Momenten.




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