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Schmucklos (2019)

In München spielende Komödie über zwei Kumpel, die pleite sind und ein Lokal eröffnen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.2 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 17 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Roland (Stefan Fent) hat es in Wien mit 35 Jahren immer noch nicht zum erfolgreichen Romanautor gebracht. Er hat das WG-Leben satt und beschließt kurzerhand, sich nach München zu verlegen. Denn dort lebt doch der erfolgreiche Werbefilm-Regisseur Augustin (Thomas Schwendemann), der ihm vor Jahren einmal anbot, bei ihm zu wohnen. Augustin kann sich nicht an den Mann erinnern, der vor ihm steht und fliegt noch dazu gerade aus seiner Wohnung, weil er längst keine Miete mehr bezahlen kann.

Augustins alte Kontakte erweisen sich als wenig hilfreich, aber da fällt ihm ein, dass Oma Gerti Schmuck (Marianne Sägebrecht) ja in Giesing ein Gasthaus führte, das seit ihrem Tod vor zehn Jahren geschlossen ist. Augustin und Roland finden im Lokal noch jede Menge alten Schlehenschnaps und sprechen ihm ordentlich zu. Roland überredet Augustin, das Lokal gemeinsam wieder zu eröffnen. Es soll dort nur Schnaps und Wiener Würstchen geben, und Musik von einer einzigen CD.

Die Würstellieferantin Laura (Stefanie Mendoni), in die sich Roland auf den ersten Blick verliebt, gibt dem Lokal den Namen "Schmucklos". Bald wird die Kneipe Kult und sogar das Fernsehen berichtet. Aber das urige Lokal, in dem auch Obdachlose willkommen sind, ist dem Sohn des reichen Brauereibesitzers Toni (Joseph Hannesschläger) ein Dorn im Auge. Denn er will die vielen Immobilien seines Vaters luxussanieren und teuer vermieten.

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Zwischen der Handlung dieser münchnerischen Komödie und ihrer Entstehungsgeschichte gibt es einige Parallelen. Ähnlich wie die beiden filmischen Hauptfiguren Augustin und Roland hatte auch der Regisseur Thomas Schwendemann ("Wer 4 sind") eine Idee, aber kein Geld. Es gab keine Förderung für dieses Filmprojekt, Produzenten winkten ab. Da war aber dieser in den 1970er Jahren eingerichtete Hobbyraum im Keller der Großmutter und Schwendemann beschloss, dort zu drehen und den Film selbst zu produzieren. Von den angefragten Schauspielern sagte zuerst Marianne Sägebrecht zu, die als Augustins Oma aus einem Gemälde zu ihm spricht. In weiteren Nebenrollen und Gastauftritten geben sich Eisi Gulp, der den obdachlosen Harald spielt, Uschi Glas, Michaela May, der ehemalige Münchner Bürgermeister Christian Ude und andere bekannte Gesichter die Ehre.

Schwendemann und sein Co-Autor Stefan Fent können auch darstellerisch überzeugen, denn Augustin und Roland ergeben ein spannungsgeladenes komödiantisches Duo. Schon sprachlich bestehen Differenzen, denn der Österreicher Roland parliert eben ein wenig anders als die Münchner, aber nicht minder kernig. Mit seinen Charakteren ist der Film auf der Suche nach dem alten Charme der einstigen Münchner Vorstadtviertel, der von der Gentrifizierung so gründlich wegsaniert wird.

Der obdachlose Harald sinniert trefflich darüber, wie das Leben aus der Stadt verschwindet, die sich immer weniger Bewohner noch leisten können. Im "Schmucklos" finden Arm und Reich, Jung und Alt ein zweites Wohnzimmer und ein Gemeinschaftserlebnis, das nicht nur dem halluzinogenen alten Schnaps geschuldet ist.

Stilistisch wird einiges geboten, von der sprechenden Kakerlake mit Basecap über bebilderte Fantasien der Charaktere und Slideshows mit Musik bis hin zu einem in Westernmanier angekündigten Showdown. Auch der erzählerische Kommentar, den Hansi Kraus spricht, ist mit seiner altertümlichen Sprache - "unser wackerer Recke Roland" - reizvoll. Das Ganze gerät allerdings etwas zu harmlos, trotz der Sozialkritik neigt der Film zum unbekümmerten Klamauk, der etwas selbstgefällig vor sich hindümpelt von einem Gläschen Schnaps zum nächsten. Zu viele Anekdoten werden hineingestopft, die eine klare Linie vermissen lassen.

Fazit: Die von Thomas Schwendemann inszenierte und produzierte Komödie, in der er einen abgebrannten Werbefilmregisseur und Kneipengründer spielt, beschwört den alten Charme Münchens herauf, dem die Gentrifizierung an den Kragen will. Die Idee, ein Gasthaus mit großelterlichem Anti-Chic und minimalistischem Angebot zum Kultlokal aufsteigen zu lassen, erweist sich als ausgesprochen reizvoll. Die Kneipe wird Schauplatz eines sozialen Brückenschlags zwischen Schichten und Generationen, während sich ihre beiden Betreiber nur bedingt vertragen. Der inhaltliche und gestalterische Ideenreichtum des Films lässt mit der Zeit jedoch eine klare Linie und frechen Biss vermissen.








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Land: Deutschland
Jahr: 2019
Genre: Komödie
Länge: 109 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 21.11.2019
Regie: Thomas Schwendemann
Darsteller: Stefan Fent, Thomas Schwendemann, Stefanie Mendoni
Verleih: Arsenal

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