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The Peanut Butter Falcon
The Peanut Butter Falcon
© Tobis Film

Kritik: The Peanut Butter Falcon (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"The Peanut Butter Falcon" ist das Spielfilm-Debüt des Filmemacher- und Drehbuchautoren-Duos Tyler Nilson und Michael Schwartz. Beide inszenierten zuvor ausschließlich Doku- und Kurzfilme. Ihr Erstling, der nur rund sechs Millionen Dollar kostete, debütierte im März 2019 beim South by Southwest Film Festival. Produziert wurde der Film von Albert Berger, der für seine Vorliebe für Indie- und Arthouse-Produktionen ("Little Children", "Little Miss Sunshine") bekannt ist.

Buddy-Abenteuer, Selbstfindungs-Drama, kuscheliger Wohlfühlfilm und Roadmovie – das alles will "The Peanut Butter Falcon" gleichzeitig sein. Damit überheben sich die Regisseure Nilson und Schwartz jedoch merklich, obwohl sie – vor allem im ersten Drittel – mit ironischer Leichtigkeit vorgehen und äußerst schwungvoll zu inszenieren wissen. Zu verdanken haben sie dies in erster Linie den beiden Hauptdarstellern, die in ihrem Spiel nie gekünstelt oder unauthentisch wirken.

Allen voran Zack Gottsagen gebührt Respekt, da er seine nach Freiheit und Selbstbestimmung strebende Figur mit beachtlicher Ausdruckskraft verkörpert und mit überlebensgroßem Selbstvertrauen ausstattet – die perfekte Identifikationsfigur. Weniger überzeugen kann Dakota Johnson, die in ihrer Rolle der besorgten Heim-Mitarbeiterin ziemlich blass bleibt und keine Akzente setzen kann. Nicht die einzige Schwäche des Films. Immer wieder ist der Film überdeutlich darauf ausgelegt, beim Zuschauer ein Gefühl der Erfüllung, Freude und Sicherheit inmitten einer heilen Welt auszulösen. Dies zeigt sich vor allem in den (nicht selten extrem kitschig geratenen) Szenen, in denen sich die grundverschiedenen Männer immer mehr aneinander annähern und zu Freunden werden.

Negativer Höhepunkt in dieser Reihe an peinlichen Situationen und Begebenheiten ist eine Sequenz auf einem Feld, wenn Zak und Tyler wie zwei Kindsköpfe mit Heuballen herumalbern und sich irgendwann hochemotional in den Armen liegen. Zeitlupe inklusive. Ein pathetisch aufgeladener Moment, der zum Fremdschämen einlädt.

Dasselbe gilt auch für das übertrieben albern geratene, abstruse Finale, das bei einem Hinterwäldler-Wrestling-Event irgendwo in der abgeschiedenen Natur angesiedelt ist. Dort setzen Nilson und Schwartz unter anderem auf einen übermäßigen Einsatz von Zeitlupe, auf wild aufeinander los gehende, erwachsene Männer in peinlichen Outfits sowie bedenkliche Gewalt gegen Behinderte.

Fazit: Lediglich die starke Leistung der beiden glaubwürdig agierenden männlichen Hauptdarsteller bewahrt diesen unausgegorenen, kitschigen Genre-Mix vor einer filmischen Total-Katastrophe.




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