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Kritik: Menschsein (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wie viele Dokumentarfilme der jüngeren Vergangenheit begibt sich auch dieser auf eine globale Reise. Und wie viele andere Erzähler reflektiert auch Denis Klein seine eigene Rolle. Was Kleins Projekt von den zunehmend ununterscheidbarer werdenden Konkurrenten positiv abhebt, ist die Absicht seiner Weltumrundung. Klein steckt nicht in einer Sinnkrise, "Menschsein" ist kein Selbstfindungstrip. Statt für sein eigenes Ego interessiert sich Klein ernsthaft für andere.

Das Ziel, die Lebensumstände von Menschen mit Behinderung rund um den Globus abzubilden, ist hehr, aber auch sehr ambitioniert. Eigentlich hätte es dafür gleich mehrerer Filme beziehungsweise einer ganzen Filmreihe bedurft. Dass der Lehrer, der sich für dieses Projekt eine Auszeit vom Schuldienst genommen hat, mehr als ein Jahr unterwegs war und 23 Länder bereiste, spiegelt der fertige Film nur bruchstückhaft wider. Viele interessante Gesprächspartner, etwa die Kambodschanerin Dos Sopheaup, die sich als Landminenopfer nicht unterkriegen lässt, kommen deutlich zu kurz. Ein paar wenige Worte und der wiederholte Einsatz von schön bebilderten Montagesequenzen machen dieses Manko nicht wett.

Im Kern konzentrieren sich Klein und Oliver Stritzke, der die von Klein gefilmten Aufnahmen als Regisseur in Form brachte, auf drei Personen: die Südafrikanerin Rethabile, die Inderin Shruti und den Kolumbianer Jhon Mario. Deren Geschichten bewegen. Dabei gelingt es Klein und Stritzke gleichermaßen, die Arbeit der Porträtierten zu würdigen und den Blick für Erfolge, aber auch für Missstände im Umgang mit Menschen mit Behinderung zu schärfen. Warum einige arme Länder bei der Inklusion im Schulunterricht weiter sind als das reiche Deutschland, ist eine der drängenden Fragen dieses Films. Leider dringt er nicht überall so stark in die Tiefe.

Fazit: "Menschsein" ist ein mutmachendes Plädoyer für eine bessere Integration von Menschen mit Behinderung. Wie dies gelingen könnte, machen die im Film porträtierten Menschen vor. Leider leidet der Dokumentarfilm unter seiner schieren Materialmasse. Ein engerer Fokus und mehr Tiefe hätten ihm gutgetan.




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