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Die Wütenden - Les Misérables (2019)

Les misérables

Hitziger Hexenkessel: französisches Thriller-Drama um drei Polizisten, denen eine Situation in einem sozialen Brennpunkt zunehmend entgleitet.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 4 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Frankreich, Sommer 2018: Kurz nach dem Sieg bei der Fußballweltmeisterschaft tritt der Polizist Stéphane (Damien Bonnard) seinen Dienst in einem neuen Revier an. Gemeinsam mit seinen Kollegen Chris (Alexis Manenti) und Gwada (Djibril Zonga) geht er in Montfermeil, einem Vorort von Paris, auf Streife. Hier herrschen eigene Regeln. Der selbst ernannte "Bürgermeister" (Steve Tientcheu), der Muslimbruder Salah (Almamy Kanouté) und der Barbesitzer "Knauser" (Nizar Ben Fatma) kontrollieren das Viertel. Und auch Chris und Gwada wenden nicht immer legale Methoden an.

Als der Jugendliche Issa (Issa Perica) dem Zirkusdirektor Zorro (Raymond Lopez) ein Löwenbaby stiehlt und bei der Festnahme von Gwada verletzt wird, kocht die Lage hoch. Ein anderer Junge, Buzz (Al-Hassan Ly), hat den Vorfall mit einer Drohne gefilmt. Die drei Polizisten könnte das im schlimmsten Fall ihren Job, zumindest aber den Respekt im Viertel kosten. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn auch die anderen Parteien sind hinter dem Video her.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Keine Sorge, in diesem Film wird nicht gesungen! "Les Misérables", wie Ladj Lys Debüt im französischen Original und im deutschen Untertitel heißt, ist keine weitere Musical-Adaption. Mit dessen Vorlage, Victor Hugos 1862 veröffentlichtem Roman, teilt dieses Krimi-Drama einen der Handlungsorte. Schon Hugos "Die Elenden", so der deutsche Romantitel, spielte zum Teil in Montfermeil. Seither scheint sich nicht viel geändert zu haben. In der Gemeinde an der Pariser Peripherie herrschen auch im Sommer 2018 noch Elend und Wut.

Regisseur und Co-Drehbuchautor Ly ist in Montfermeil aufgewachsen und lebt bis heute dort. Vor seinem Spielfilmdebüt hat er diverse Dokumentarformate über seinen Wohnort realisiert. Dementsprechend realistisch ist das Setting. Ly lässt sich viel Zeit, das Kinopublikum gemeinsam mit der Figur des Neuankömmlings in die Gepflogenheiten des Viertels einzuführen. Der Umgangston ist rau, die Methoden sind nicht immer legal. Überall gibt es stillschweigende Übereinkünfte.

Die Handlung folgt mehreren Figuren, über die sich das Drehbuch kein Urteil anmaßt. Jeder Charakter, ob Polizist oder Clan-Mitglied, ist ambivalent. Die Geschichte ist ungemein dicht, die Kamera dynamisch, ohne dabei pseudo-dokumentarisch zu wirken. Auf Musik verzichtet Ly beinahe komplett. Nur vereinzelt ist ein unterschwelliges Dröhnen zu hören, das das beständig anschwellende Bedrohungsszenario andeutet und schließlich in mehreren Verfolgungsjagden in treibende Percussion übergeht.

Ly erzählt von einer bunten, lebhaften Welt, die darunter leidet, dass die Verantwortungsträger Respekt mit Angst verwechseln und auf eine harte Hand setzen. Bei Hugo erstreckte sich die Handlung über 17 Jahre, bei Ly eskaliert sie in nur eineinhalb Tagen. Das erinnert an einen anderen französischen Film, der von 24 verhängnisvollen Stunden in einer Pariser Banlieue erzählt: Mathieu Kassovitz' "Hass" (1995). Bei Kassovitz fliegt gleich zu Beginn ein Molotowcocktail durch die Luft, Lys Film endet mit einem, der vermutlich gleich geworfen wird. Drei Jahre nach "Hass" wurde die französische Fußballnationalmannschaft erstmals Weltmeister. Plötzlich schien auch für Einwandererkinder alles möglich. Lys Drama beginnt mit Frankreichs zweitem WM-Titel. Zwanzig Jahre nach dem ersten Triumph liegen sich Franzosen aller Couleur erneut in den Armen. Zurück in ihren Vierteln wollen die Reichen von den Armen nichts mehr wissen.

Fazit: Langfilmdebütant Ladj Ly liefert eine realistische, dichte und packende Milieustudie ab, die das Versagen der Politik, Polizei und der Bewohner eines sozialen Brennpunkts wertfrei und differenziert betrachtet. Den Preis der Jury in Cannes hat Ly dafür bereits erhalten. Jetzt darf er sich Hoffnungen auf einen Oscar für den besten internationalen Film machen.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollDer in einem sozialen Brennpunkt von Paris aufgewachsene Regisseur Ladj Ly hat sich bereits dokumentarisch mit den sozialen Problemen des Migrantenviertels auseinandergesetzt, in dem unterschiedliche Kulturen auf engem Raum in einer fragilen Balance [...mehr]

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Frankreich
Jahr: 2019
Genre: Drama, Krimi
Länge: 103 Minuten
Kinostart: 23.01.2020
Regie: Ladj Ly
Darsteller: Damien Bonnard als Brigadier Stéphane Ruiz, dit Pento, Alexis Manenti als Chris, Djibril Zonga als Gwada
Verleih: Wild Bunch

ZusatzinformationAlles anzeigen

Regisseur Ladj Ly, selbst in Montfermeil aufgewachsen, siedelt sein spannungsgeladenes Spielfilmdebüt am Schauplatz von Viktor Hugos berühmtem Roman "Les Misérables” an. Und gibt damit ein [...mehr] klares Statement: Wenig hat sich geändert in den letzten 150 Jahren in den von Armut und sozialen Spannungen geprägten Vororten, wo Jugendliche mit Migrationshintergrund im Krieg mit der Polizei liegen – und umgekehrt. Hier begannen 2005 die Straßenaufstände, die Paris erschütterten. Der Film ist ein harter, realistischer, schnell geschnittener und provozierender Blick auf die klaffende Wunde sozialer Ungerechtigkeit und einen von Gewalt geprägten Alltag in den Pariser Banlieues, auf eine Jugend ohne Chance – und ihre Art, sie zu nutzen … LES MISÉRABLES, inszeniert von einer der innovativsten jungen Regie-Stimmen Frankreichs, basierend auf Lys gleichnamigen Kurzfilm von 2017, wurde beim Festival de Cannes 2019 mit dem ‚Preis der Jury‘ ausgezeichnet und geht für Frankreich ins Oscarrennen!

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