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Kritik: Countdown (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die Reaktionen auf eine neue Technik verlaufen immer gleich. Die einen vergöttern, die andern verteufeln sie. Da verwundert es kaum, dass das Horrorgenre seinen Schrecken gern in moderne Medien packt. Mit deren Nutzung wandelt sich auch die Quelle des Bösen. Mal sind es VHS-Kassetten wie in "Videodrome" (1983), in "Ringu" (1998) und in dessen Fortsetzungen und Remakes, inzwischen breitet sich der Grusel nicht selten auf Social-Media-Plattformen wie in "Unknown User" (2014) aus. Schon 2006 lauerte der Tod im Telefon. Die Morddrohungen in "In 3 Tagen bis du tot" wurden allerdings noch per SMS verschickt. Im Zeitalter der Smartphones geht das freilich auch via Applikation.

"Countdown" ist Justin Decs Langfilmdebüt. Dec, der als Produktionsassistent in die Branche eingestiegen war, hat dazu auch das Drehbuch verfasst. Leider traut er sich nicht, den Horror auf das Handy zu beschränken. Die teuflische Technik kommt nicht ohne einen Teufel aus, was Decs Debüt zu einer reichlich kruden Mischung macht. Erst ereignet sich Übernatürliches wie von Zauberhand, dann spukt der leibhaftige Sensenmann in Spiegelbildern herum und zu gruseliger Letzt tritt ein Dämon in Erscheinung. Ziemlich viel Mischmasch für 90 Minuten.

Tonfall und Inszenierung sind ähnlich unentschlossen. Mal setzt Dec auf Jump-Scares, die zwar nicht sonderlich einfallsreich daherkommen, aber ihren Zweck erfüllen, mal wirft er mit Nebenrollen wie dem Computernerd und dem von Dämonen begeisterten Priester astreine komödiantische Momente in den Mix. Eigentlich nimmt sich "Countdown" nie zu ernst und tut es in den entscheidenden Momenten dann doch. Und auch mit der Logik nimmt es das Drehbuch nicht ganz genau. Das Ergebnis ist weder Fisch noch Fleisch, weder Horror-Hommage, -Persiflage oder -Komödie noch lupenreiner Horrorfilm.

Einige gelungene Szenen und ein lustvoll aufspielendes Ensemble verhindern den Total-Absturz. Wer sich nicht an einer abstrusen Story stört und nichts gegen emotionale Achterbahnfahrten zwischen solidem Grusel und grusligen Gags hat, wird eineinhalb Stunden einigermaßen passabel unterhalten.

Fazit: Regisseur Justin Dec fügt der technikaffinen Spielart des Horrorfilms nichts Neues hinzu. Auch leidet dieses Debüt unter seiner Unentschlossenheit bezüglich Tonfall und Inszenierung. Letztlich bietet "Countdown" viel Mischmasch irgendwo zwischen "Final Destination" und "In 3 Tagen bist du tot".




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