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Chichinette - Wie ich zufällig zur Spionin wurde
Chichinette - Wie ich zufällig zur Spionin wurde
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Chichinette - Wie ich zufällig zur Spionin wurde (2019)

Chichinette

Deutscher Dokumentarfilm über eine auf den ersten Blick unscheinbare Frau, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine entscheidende Rolle gespielt hat.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.5 / 5

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Marthe Cohn, 1920 als Marthe Hoffnung in Metz geboren, hat eine bewegte Vergangenheit, über die sie lange Zeit geschwiegen hat. Nach Kriegsausbruch flieht ihre Familie in den Süden, erst nach Poitiers, später nach Marseille. Ihr Verlobter wird von den Nazis erschossen, ihre Schwester nach Ausschwitz deportiert. Beide waren in der Résistance. Der tritt schließlich auch Marthe bei, allerdings eher zufällig. Nach der Befreiung von Paris 1944 meldet sie sich bei der französischen Armee für den Dienst als Krankenschwester. Ihre hervorragenden Deutschkenntnisse bringen ihr stattdessen einen Job als Spionin ein, für den sie nach Kriegsende mehrere Auszeichnungen erhält.

Ende der 1950er-Jahre siedelt Marthe mit ihrem Ehemann Major L. Cohn, den sie in Genf kennengelernt hat, in die USA über. Über ihre Vergangenheit schweigt sie jahrzehntelang. Selbst Major weiß nichts davon. Das ändert sich, als sie im Jahr 2000 mit der französischen "Medaille Militaire" ausgezeichnet wird. Seither reist sie für Vortragsreisen um die Welt und ist inzwischen eine der letzten Zeitzeuginnen des Zweiten Weltkriegs. Die Filmemacherin Nicola Hens hat Marthe Cohn bei ihren Vortragsreisen zwischen Januar 2016 und September 2017 mehrfach begleitet.

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Rumzusitzen und auf den Tod zu warten, sei eine schreckliche Sache, sagt Marthe Cohn in Nicola Hens' Dokumentarfilm einmal. Das kommt ihr auch gar nicht in den Sinn. Im April 2020 feierte Cohn ihren 100. Geburtstag. Als Hens sie mit der Kamera begleitet, ist sie 95, 96 und 97 Jahre jung – und permanent auf Achse. Die Filmemacherin tourt mit Cohn für deren Vortragsreisen durch die USA und Europa. Das Wesen ihrer Protagonistin drückt sich ganz treffend bereits im Filmplakat aus.

Darauf streckt Cohn dem Kinopublikum keck die Zunge heraus. Als Spionin lautete ihr offizieller Deckname Martha Ulrich, intern hatte sie in der Armee jedoch den Spitznamen "Chichinette", kleine Nervensäge, weg. Dass sie abseits ihrer Auftritte nicht nur gewitzt, charmant und schlagfertig sein kann, bekommt vor allem ihr Mann Major zu spüren. Durch seine jahrelange Erfahrung steckt er das aber locker weg.

Nicola Hens bereitet Cohns Lebensgeschichte als Mischung aus gegenwärtiger Beobachtung, Archivmaterial und intimen Interviews auf. Erinnerungen, von denen keine Dokumente existieren, werden durch Animationen ergänzt. Die lange Drehzeit hat sich gelohnt. Denn ganz allmählich öffnet sich Cohn der Kamera und gibt auch dunklere Episoden ihrer Vergangenheit preis, über die sie am Anfang noch schweigt.

Eigentlich hätte dieser Dokumentarfilm bereits im März 2020 in die Kinos kommen sollen. Dann kam Corona. Zu seinem neuen Starttermin im September passt nun ein anderer Dokumentarfilm, der wenige Wochen zuvor angelaufen ist: "Fragen Sie Dr. Ruth". Wie Ryan Whites Porträt der 1928 geborenen Sexualtherapeutin Ruth Westheimer erzählt auch Hens von einer (an Körpergröße) kleinen Frau, die sich nicht kleinkriegen lässt. Auch Hens' Porträt strotzt vor Lebensfreude und Widerstandsfähigkeit, vor Humor und Weisheit.

Für die jüngeren Generationen, die während Marthe Cohns Vorträgen gespannt an ihren Lippen hängen, hat Cohn einen simplen, aber treffenden Rat: "Engagiert euch und akzeptiert keine Befehle, Vorschriften und Ordnung, die ihr nicht mit eurem Gewissen vereinbaren könnt!"

Fazit: Nicola Hens' Dokumentarfilm nähert sich einer kecken Dame, die aufgrund ihrer Leistungen in ihrer Jugend im hohen Alter zu einer Art Medienstar der Erinnerungskultur wurde. "Chichinette" ist ein beeindruckendes Porträt einer beeindruckenden Frau. Mit ihrem Witz, ihrer Schlagfertigkeit und Intelligenz, vor allem aber mit ihrem Mut und moralischen Kompass sollte diese alte Frauen der jungen Generation ein Vorbild sein.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollMarthe Cohn gehört zu den letzten noch lebenden Zeitzeugen von Holocaust und Nazi-Diktatur. Unermüdlich reist sie durch die Welt und gibt Erfahrungen und Erlebnisse weiter an nachfolgende Generationen. Nicola Alice Hens begleitet Marthe Cohn mit [...mehr]

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2019
Genre: Dokumentation
Länge: 86 Minuten
Kinostart: 17.09.2020
Regie: Nicola Hens
Darsteller: Major Cohn, Marthe Cohn
Verleih: missingFilms

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