VG-Wort

oder

Kritik: I Still Believe (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

"I Still Believe" ist der neue Film des Regie-Duos Andrew und Jon Erwin (aka The Erwin Brothers). Wie schon beim kommerziell äußerst erfolgreichen Vorgängerwerk "I Can Only Imagine" (2018) handelt es sich hierbei um ein inspirational movie beziehungsweise faith-based movie, dessen Kernzielgruppe ein evangelikales Publikum im "Bibelgürtel" der USA ist. Die Besetzung der Hauptrollen mit KJ Apa ("Riverdale") und Britt Robertson ("Girlboss") dürfte den Mainstream-Appeal indes noch erhöhen.

Abermals nutzen die Erwin-Brüder reale Ereignisse als Basis und schildern die Geschichte eines heranwachsenden Musikers. Während sich der Protagonist aus "I Can Only Imagine" mit seinem gewalttätigen Vater und dessen Krankheit auseinandersetzen musste, ist es nun die Krebserkrankung der großen Liebe des Helden Jeremy Camp, die im Zentrum steht. "I Still Believe" lässt dabei an Young-Adult-Dramen wie "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" (2014) denken, in denen es ebenfalls um junge Liebende und einen viel zu frühen Tod geht.

Die Regisseure begehen in der Erzählung der Krankheit so ziemlich jeden Fehler, der sich vorstellen lässt. Hochglanz-Bilder lassen selbst die schlimmsten Momente wie Wohlfühl-Unterhaltung wirken; die Erkrankte sieht nahezu immer strahlend schön und frisch frisiert aus – und die aufdringliche Musik gibt uns jede Emotion vor. Hinzu kommen haarsträubend schlecht geschriebene Dialoge, die weit unter Seifenoper-Niveau liegen. Apa und Robertson – sowie Hollywood-Star Gary Sinise ("Forrest Gump") in einem Nebenpart als Jeremys Vater – gelingt es immerhin teilweise, so zu tun, als seien ihnen die Sätze, die sie aufsagen müssen, nicht unendlich peinlich; mehr Positives lässt sich über deren Leistungen leider nicht festhalten.

Das Ärgerlichste an "I Still Believe" ist indes die Art und Weise, wie der christliche Glaube vermittelt wird. Als es der kranken Melissa überraschend besser geht und der Krebs verschwunden scheint, wird ihre Heilung ganz unzweifelhaft als Wunder Gottes deklariert; die Gebete haben sie gerettet und ermöglichen ihr eine unbeschwerte Traumhochzeit am Strand. Als es ihr wiederum schlechter geht, ist völlig klar, dass Gott etwas Größeres mit ihr vorhat. Die religiösen Überzeugungen von Figuren in einen Plot zu integrieren, ist keineswegs verwerflich. Dabei derart plump und kitschig vorzugehen, ist hingegen eine unverzeihliche Kino-Sünde.

Fazit: Ein Krebs- und Liebesdrama mit unsäglichen Dialogen, oberflächlicher Inszenierung und penetrant vorgetragener Botschaft.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.