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Lady Business
Lady Business
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Lady Business (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Filme über Männer, die nicht erwachsen werden (wollen), gibt es wie Sand am Meer. Weibliche Kindsköpfe sind in der Kinolandschaft hingegen seltene Sandkörner. Spontan kommen einem Tragikomödien wie "Young Adult" (2011), "Laggies" (dt. Titel: "Grow Up!? – Erwachsen werd' ich später", 2014) oder "Happy Christmas" (2014) in den Sinn. In den meisten Fällen, selbst in denen mit den infantilen Männern, müssen Frauen jedoch die Stimme der Vernunft geben.

Langsam, aber sicher bekommt dieses überkommene und unerreichbare Rollenbild Risse. Komödien wie "Brautalarm" (2011), "Dating Queen" (2015), "Bad Moms" (2016) oder "Girls Trip" (2017) zeigen, dass Frau – egal ob als Single oder Ehefrau, ob als Geschäftsfrau oder Hausfrau, ob kinderlos oder als Mutter – weder perfekt noch brav sein muss. Miguel Artetas "Lady Business" stößt ins gleiche Horn. Heraus kommt allerdings nur ein laues Lüftchen.

Dass er es besser kann, hat Arteta im Kino und fürs Fernsehen in so unterschiedlichen Spielfilmen und Serien wie "The Good Girl" (2002), "Six Feet Under", "Youth in Revolt" (2009), "Nurse Jackie", "Die Coopers" (2014) oder "Grace and Frankie" bewiesen. Seiner jüngsten Komödie mangelt es in erster Linie an Stringenz und Stimmigkeit. Zu viele auf den ersten Blick gute Ideen sind nicht bis zu Ende gedacht. Das Gleiche gilt für die Handlung und die Figuren.

Die Krux fängt schon bei der Grundidee an. Dass die zwei unabhängigen Frauen sich nicht dem Gruppendruck ihrer Clique beugen, also nicht heiraten und Kinder kriegen, sondern sich für ihre Karriere und ihre Freundschaft entscheiden, ist eine starke Aussage. Dass sie ihr Geld in der Schönheitsindustrie verdienen, konterkariert die feministische Grundierung indes postwendend. So sehr sich Mias (Tiffany Haddish) und Mels (Rose Byrne) Produkte durch ihre Dezenz auch von den Konkurrenzprodukten abheben und so oft die zwei auch betonen, nur die natürliche Schönheit ihrer Kundinnen unterstreichen zu wollen, anstatt mit dem Make-up (vermeintliche) Makel zu überdecken, letztlich profitieren sie von der Unsicherheit junger Frauen. Letztlich sind auch sie Teil des Problems.

Diese Widersprüchlichkeit und Unentschlossenheit setzt sich auf allen Ebenen fort. Die Unerfahrenheit des Autorengespanns Sam Pitman und Adam Cole-Kelly ist ihrem Drehbuch anzumerken. Toll eingeführte Nebenfiguren wie Claire Lunas (Salma Hayek) speichelleckender Handlanger Josh (Karan Soni) werden viel zu schnell fallengelassen, anstatt ihre Auftritte zu Running Gags auszubauen. Die Handlungsstränge sind nicht schlüssig, die erzählerischen Wendungen nicht zwingend genug. Am schwersten wiegt aber die hauchdünne Zeichnung der zwei Hauptfiguren.

Statt dazuzulernen, verharren Mia und Mel in den ihnen anfänglich zugeschriebenen Charaktereigenschaften, was ihre Charaktere keinesfalls glaubwürdiger, sondern völlig unglaubwürdig macht. Die sture Mia lenkt nie ein, und Mel will es selbst dann noch allen recht machen, wenn ihr längst offensichtlich sein sollte, dass sie manipuliert wird. Diese starre, völlig unflexible Figurenzeichnung lässt die zwei Protagonistinnen leider mehr als einmal ziemlich dumm dastehen.

Tiffany Haddish und Rose Byrne, aber auch Salma Hayek und der Rest des gut besetzten Ensembles sind sichtlich bemüht, all die Schwächen zu überspielen. Für einen gelungenen Film bietet ihnen das Drehbuch aber schlicht zu wenig an. Ein paar wenige Pointen (vor allem zu Beginn) zünden, danach herrscht gähnende Langeweile.

Fazit: Was eine feministische Komödie über eine starke Frauenfreundschaft und die Schönheitsindustrie hätte werden können, ist ein inkonsistentes und inkonsequentes Durcheinander, das am Ende mehr Klischees bedient, als welche zu unterlaufen. Das Schlimmste aber: Hier gibt es nichts zu lachen!




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