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Kritik: Harriet - Der Weg in die Freiheit (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der biografische Historienfilm "Harriet" beruht auf wahren Begebenheiten. Er widmet sich Leben und Wirken der ehemaligen Sklavin und späteren Sklavenfluchthelferin Harriet Tubman. Eine nur 1,50 Meter große Frau, die jedoch zu allem entschlossen war, ihr Leben für andere riskierte und in den USA heute zu den bekanntesten Figuren der Geschichte des Landes zählt. Außerdem erzählt der Film vom Netzwerk "Underground Railroad", einem Zusammenschluss von Sklavengegnern und Fluchthelfern, die über geheimen Verstecke verfügten und per verschlüsselter Nachricht miteinander kommunizierten.

Regisseurin Kasi Lemmons konzentriert sich allerdings von Beginn an auf die überlebensgroße Figur der Harriet Tubman, jener furchtlosen Person, die über viele Jahre die Rassisten das Fürchten lehrte und von den Sklaventreibern des Südens gejagt wurde. Hauptdarstellerin Cynthia Erivo entpuppt sich dabei als Idealbesetzung. Sie changiert stimmig und sicher zwischen Schmerz und Leid auf der einen Seite und Selbstlosigkeit sowie Entschlossenheit auf der anderen.

Ein Problem des Films ist, dass viele weitere Leistungen und Lebensstationen von Tubman (davon gab es in ihrem 93-jährigen Leben einige) einfach nur kurz thematisiert werden oder Lemmons ihnen überhaupt keine Beachtung schenkt. Dasselbe gilt für prägende Ereignisse, wie eine schwere Kopfverletzung in der Jugend, die Harriet ihr Leben lang prägen sollte. Oder ihre Rolle im US-Bürgerkrieg. Keine Frage: Das Leben von Harriet Tubman bietet Stoff für zwei Filme und es ist nahezu unmöglich, das Wichtigste in einem zweistündigen Film unterzubringen. Dass "Harriet" jedoch Tubmans Kampf für das Frauenwahlrecht und ihr Engagement für die Frauenrechtsbewegung quasi nur nebenbei abhandelt und ganz knapp zusammenfasst, ist definitiv ein Ärgernis.

Vielmehr legt Lemmons, die mit einem Budget von nur 17 Millionen US-Dollar auskommen musste, Wert auf nächtliche Fluchtversuche, rasante Verfolgungsjagden und andere spannungsgeladene Suspense-Momente. In all diesen Szenen geht sie elektrisierend und leidenschaftlich zu Werk. Wenn sie den Flüchtenden mit ihrer Kamera direkt über die Schulter filmt und sie auf dokumentarisch anmutende, verwackelte (Nah)aufnahmen setzt, halten Realismus und Dringlichkeit Einzug. Und immer vorneweg: die charismatische, beherzt agierende Tubman, neben der die etwas austauschbaren Nebenfiguren leider verblassen.

Fazit:Überzeugend gespieltes, bildgewaltiges Biopic über eine unerschütterlich für ihre Überzeugung kämpfende Anführerin, das letztlich aber über wichtige Errungenschaften und Lebensleistungen der Protagonistin hinweghastet und den Nebenfiguren wenig Raum zur Entfaltung gewährt.




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