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Love Sarah - Liebe ist die wichtigste Zutat
Love Sarah - Liebe ist die wichtigste Zutat
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Love Sarah - Liebe ist die wichtigste Zutat (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Spielfilmdebüt der Regisseurin Eliza Schroeder ist eine Wohlfühlkomödie, die im London der Brexit-Ära spielt und davon erzählt, wie sich drei Frauen in der Trauer um eine Verstorbene zusammentun, um ihren Lebenstraum wahr werden zu lassen. Mit der Konditorei, die sie im Stadtteil Notting Hill gründen, bezieht der Film auch auf sympathische Weise Stellung für eine offene, multikulturelle Stadtgesellschaft. Denn die Kunden dürfen sich im Laden Backwaren aus ihrer Heimat wünschen, die nach ihren Rezepten hergestellt werden. Die in Deutschland geborene und aufgewachsene Regisseurin wohnt selbst im Viertel Notting Hill und schätzt die bunte kulturelle Mischung Londons.

Verschiedenheit und Vielfalt bestimmt nicht nur das süße Angebot in dieser Konditorei, sondern charakterisiert auch die kleine Gruppe der Betreiber. Sarahs junge Tochter Clarissa unterbricht ihre Tanz-Ausbildung, um mit viel jugendlichem Schwung die Menschen, die der Mutter nahestanden, mit diesem Projekt wieder zusammenzubringen. Celia Imrie spielt die entfremdete Großmutter Mimi als starke, tatkräftige Frau, die hinter ihrer etwas ruppigen Art ein großes Herz verbirgt. Ein feines Lächeln verrät, dass Mimi Gemüt besitzt.

Konflikte bleiben im Laden nicht aus, denn auch Sarahs beste Freundin Isabella ist willensstark. Vor allem mit dem Bäcker Matthew liegt sie sich oft in den Haaren, wobei sich die Beziehung aber auch romantisch einfärbt. Und Mimi bekommt, sozusagen als I-Tüpfelchen auf der Wohlfühlkomödie, ebenfalls einen Verehrer verpasst in Gestalt des alten Nachbarn Felix (Bill Paterson).

Bald stellt sich heraus, dass die Geschichte einen sehr gefälligen, auf Harmonie bedachten Kurs fährt. Sämtliche Konflikte lösen sich irgendwie in einer allumfassenden Geste der Versöhnung auf, bevor man sie überhaupt richtig wahrgenommen hat. Das passt zwar ganz gut zu den Produkten des Ladens, den süßen, wunderbar verzierten Leckereien, die Matthew und später auch Isabella zaubert. Aber so kann auch kein richtiger Spannungsbogen entstehen. Die herrlich anzuschauenden Törtchen und Kuchen jedenfalls sind echt, manche entstanden mit Unterstützung des Spitzenkochs Yotam Ottolenghi. Die Handlung jedoch ergibt lediglich einen passablen Unterhaltungsfilm, der schön anzuschauen ist, einige hübsche Ideen entwickelt und mit seinem Humor immer wieder mal schmunzeln lässt.

Fazit: Das im Londoner Stadtteil Notting Hill angesiedelte Spielfilmdebüt der Regisseurin Eliza Schroeder singt ein Loblied auf die Diversität. Nach dem Tod einer Frau tun sich ihre Tochter, ihre beste Freundin und ihre Mutter zusammen, um ihren Lebenstraum zu erfüllen und gründen eine Konditorei. Sie stellt Produkte her, die so international sind wie die Bewohner des Viertels. Aus der Begegnung von Menschen verschiedener Altersgruppen und Kulturen kann eine wunderbare Kreativität entstehen, lautet die Botschaft der allerdings etwas zu sehr auf Harmonie bedachten Wohlfühlkomödie.




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